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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 12 · p. 716

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 12
Article
Der Sabbath
Date
1923-01-01
Page
716 (sequence 3)
Language
German
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7i6 Hugo Rosenthal: Deuteronomium die soziale Seite stärker betont ist. „Denn in sechs Tagen hat Gott den Himmel und die Erde, das Meer und alles was darin ist, gemacht," so wird im 2. Buche der Sabbath religiös kosmologisch begründet. Im Deuteronomium ist die Begründung sozial anthropologisch: „Damit dein Sklave und deine Sklavin ruhen können wie du." In beiden aber wird gefordert, den siebenten Tag Gott zu weihen und von der Arbeit zu ruhen, Herr sowohl wie Knecht und Vieh. Ja, in der Anordnung des Sabbathjahres erstreckt sich diese Ruhe sogar auf den Erdboden. Wie in den beiden Lesarten des vierten Gebots wird auch in den anderen zahlt eichen Sabbathgesetzen der Thorah immer bald die religiöse, bald die soziale Seite stärker betont, je nachdem bei ihnen die Antriebe des Gefühls oder die des Verstandes stärker wirksam sind. Aber sie alle erleben den Sabbath als Ausdruck der Synthese von Religion und Sozialismus. III. Die Sabbathruhe ist ein Ruhen von der Arbeit und ein Ruhen in Gott. Hingabe des Menschen an das Absolute ist Aufgabe des Einzelnen. Sie kann weder gelehrt noch dekretiert werden. Daher gehen die eigentlich religiösen Sabbath Vorschriften kaum über das Gebiet der Gebete und des Thorahstudiums hinaus. Die Einstellung der Arbeit hingegen ist Angelegenheit der Gemeinschaft, von der sie geregelt und überwacht wird. Hier begann für die Mischnahlehrer die Frage: was ist als Arbeit anzusehen? Der Traktat Sabbath im Seder Moed beantwortet sie. Durch eine Fülle subtilster Vorschriften erhält der Sabbath das Gepräge eines Tages absoluter Ruhe. Die Forderung des vierten Gebotes findet Erfüllung. Allerdings nicht, ohne dem Ganzen einen gewaltsamen, von den Schöpfern der Idee kaum gemeinten Sinn zu geben. Ein Beispiel für viele mag das zeigen. Im 16. Kapitel des 2. Buches Mose wird von der Mannaspende berichtet. „Am sechsten Tage aber hatten sie doppelt so viel Speise gesammelt, zwei Gomer auf die Person. Da kamen alle Fürsten der Gemeinde und berichteten es Mose. Dieser sprach zu ihnen: Das ist es, was der Ewige gebietet; Ruhetag, ein dem Ewigen geweihter Sabbath ist morgen; was ihr backen wollt, backt, und was ihr kochen wollt, kocht; und alles Übrigbleibende legt zurück, um es für morgen aufzubewahren. Da legten sie es nach Moses Befehl zurück bis zum folgenden Morgen, und es wurde nicht stinkend und es entstanden keine Würmer darin. Da sprach Mose: Eßt das heute, denn heute ist Sabbath für den Ewigen, heute werdet ihr draußen nichts finden. Sechs Tage könnt ihr es auflesen, aber am siebenten Tage ist Sabbath, da gibt es keines. Am siebenten Tage aber gingen einige Leute hinaus, um aufzulesen, fanden aber nichts. Dann sprach der Ewige zu Moses: Wie lange wollt Ihr Euch weigern, meine Gebote und Weisungen zu beachten? Seht doch, der Ewige hat Euch den Sabbath eingesetzt, daher gibt er Euch am sechsten Tage Speise auf zwei Tage. So bleibe jeder daheim, niemand soll am siebenten Tage seinen Ort verlassen. So feierte das Volk am siebenten Tag."

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