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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 12 · p. 707

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 12
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1923-01-01
Page
707 (sequence 4)
Language
German
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707 direkten Sündenbekenntnisse enthält das Widdujritual noch überdies, auf kabbalistische Empfehlung, ausgewählte entsprechende Psalmen und Bibelstellen, sowie verschiedene von kabbalistischem Geiste getragene Spezialgebete für des Kranken Wiedergenesung und Vergebung der Sünden oder, falls der Tod unabwendbar sei, für das Heil seiner Seele im ewigen Jenseits. Die klassischen, in unserem Ritual vorgeschriebenen Widdujtexte: „Aschamnu" und „AI Chet" sind bekanntlich in alphabetischer Reihenfolge verfaßt, worauf von autoritativer Seite viel Gewicht gelegt wird.1) Die Kabbalah, die die Bedeutung des Widduj besonders hoch wertet und ihm viele Betrachtungen widmet, erklärt den Grund, warum die Widdujtexte nach alphabetischer Reihenfolge verfaßt sein sollen, folgendermaßen: Mit den heiligen Buchstaben des hebräischen Alphabets hat Gott die Welt erschaffen, sie bilden die Grundlagen ihrer sittlichen Weltordnung. 2) Mit den heiligen Buchstaben wurde dieThorah geschrieben. Das erste Wort, mit dem sie den Bericht von der Erschaffung der Welt beginnt, das Wort „B'ra(e)schith" enthält die ersten zwei (A und B) und die letzten drei (R,Schin und Thaw) Buchstaben des Alphabets, sowie vom Namen Gottes (JHWH) den Buchstaben J. Das Alphabet in gerader Ordnung (A B usw.) bedeutet Barmherzigkeit (Rachamim), in umgekehrter Ordnung (R,SchT usw.) jedoch: rücksichtslose Strenge (Din). Damit die Welt Bestand haben könne, damit weder sündhafte Zügellosigkeit, infolge der alleinigen Wirksamkeit des Rachamim, noch rücksichtslose Strenge infolge des alleinherrschenden Din überhand nehmen könne, wurde die Welt in harmonischer Verbindung von Rachamim und Din, von Barmherzigkeit und strengem Gericht erschaffen.3) Aus diesem Grunde gab Gott dem ersten Worte (BRA(e) SchJT), mit dem die Thorah und die Erschaffung der Welt beginnt, die Buchstaben A und B (gerade Reihenfolge des.Alphabets Barmherzigkeit Rachamim) wie die Buchstaben „R", „Sch" und „T" (entgegengesetzte Reihenfolge Strenge Din); um aber dem Prinzipe der Barmherzigkeit in der Weltregierung das Gleichgewicht zu verleihen, fügte er zu obigen fünf Buchstaben das J aus seinem Namen JHWH hinzu, der gleichfalls Rachamim 4) bedeutet. Durch Zusammensetzung dieser sechs Buchstaben entstand das Wort „Bra(e)schit". Der Sünder versucht durch seine Verfehlungen die Grundlagen der Thorah wie das Gefüge der Welt, die mit dem heiligen Alphabet erschaffen wurde, zu zerstören; durch sein nach der Reihe des hebräischen Alphabets offenbartes reuevolles Sündenbekenntnis macht er das von ihm versuchte Übel wieder gut und trägt auf diese Weise zur Erhaltung der Welt und ihrer sittlichen Grundlagen nach Maßgabe seiner Kräfte bei. 6) x) So z. B. Magen Abraham zu Schulchan Aruch, Orach Chaim § 607 Absatz 2, 2) Tr. Berachoth 55 A. Sefer Jezirah, Otioth de Rabbi Akibah u. a. 3) Midrasch B'reschith Rabbah, Abscnn. 12. 15. 4) Siehe darüber meinen Aufsatz: „Auslösen*1. Der „Jude4*, 6. Jahrg., Seite 347—48. 5) R. Asarjah di Fano in seinem „Ammaroth t'horoth" wie der Kommentar „Jad Jehudah" zur Stelle. Frankfurt a. M. 1698, Blatt 5 A und B. 45*

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