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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 12 · p. 700

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 12
Article
Saul
Date
1923-01-01
Page
700 (sequence 10)
Language
German
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7oo Julius Levinsohn: ihn von allen Seiten ruft und Taten verlangt. Er erkennt, daß es ihm nicht gegeben ist, Eigenes zu vollbringen, und um so schwerer fällt ihm der Abfall von Samuel aufs Herz, der nur Gehorsam dem Kriegsrecht Gottes gegenüber verlangt hatte. Samuel durchschaut den Stammelnden. Wäre es zu einer Aussprache zwischen ihm und Saul gekommen, so hätte er ihm wohl gesagt: Saul, der zu Eigenem zu schwach ist, trotzt dem Befehl Gottes? Saul weiß nicht, daß Gottes Recht ein Friedensrecht erst werden kann, wenn der heilige Krieg durchgeführt ist, daß aber im heiligen Kriege jede Nachsicht ein Verbrechen gegen ihn ist. Saul weiß das nicht und wähnt sich größer als Samuel? Saul hat Isreal nicht geeint, die heilige Lade nicht an geweihter Stelle aufgestellt, das Werk des Friedens hat er nicht vollbracht. Doch auch den Krieg führt er nicht mehr für Gott — er stockt, er wiedersetzt sich, gibt dem Volke nach, macht seinen Frieden mit der Welt! Diese Aussprache fand nicht statt. Sie war auch nicht nötig. Das Volk hätte sie nicht verstanden. Und die beiden verstanden sich ohne Worte. Der Bruch war vollendet. Samuel nimmt im Namen Gottes das Königtum von Saul, dem Manne es bewahrend, der besser sein wird als Saul. „Dann hieb Samuel den Agag in Stücke vor Gott in Gilgal" *). „Und Samuel sah Saul nicht wieder bis an den Tag seines Todes, denn er trauerte um Saul" 2)< Nach der Katastrophe von Gilgal ist Sauls Geschick entschieden. Die Verwerfung durch Samuel, vom Volke nicht verstanden, haftet doch in dem Instinkt der Menge und zieht in ihr Kreis um Kreis. Wohl steht Israel, soweit es sich nicht um Samuel scharte, noch unter dem Banne des eifervollen Saul, noch war Saul der mächtigste Mann im Kriege, und der Krieg blieb auch weiterhin Israels wichtigste Angelegenheit. Zudem war Juda durch" den Sieg über Agag für Saul gewonnen. Die edelsten judäischen Geschlechter dienten in seinem Heer. Auch war die Opposition von Seiten Samuels bei so manchen der Israelitischen Großen eher ein Grund für als gegen Saul. Gerade sein Verhalten Agag gegenüber gewann dem König viel Sympathien und schien der Anfang einer großzügigen, planmäßigen Gesamtpolitik zu sein. Man gab sich der Hoffnung hin, daß Saul nach dem Bruch mit Samuel entschlossen von dessen Wegen ablenken, eine entschieden kanaaniterfreundliche Politik verfolgen, mit den alten Vorurteilen unzeitgemäßer Träume aufräumen, den Faktoren des realen Lebens zu ihrem Recht verhelfen werde. Man erwartete Entschiedenheit von Saul. Aber es fehlte auch an anderen Stimmen nicht. Aus den Tiefen verborgenen Hasses stieg der Widersacher auf, in vielfacher Gestalt. Eine Partei der Unzufriedenen entstand, Unzufriedener überhaupt, Unzufriedener mit der Hegemonie Benjamins, Unzufriedener mit der Verwerfung Sauls durch Samuel. Alte Wunden öffnen sich, der unheilvolle Riß durch Israel klafft wieder auf. Sauls Name, dem Gerede verfallen, büßt seinen zauberischen *) I, Sam. 15, 23. a) I. S. is, 33 b, 35

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