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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 12 · p. 696

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 12
Article
Saul
Date
1923-01-01
Page
696 (sequence 6)
Language
German
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696 Julius Levinsohn: kannt geworden, glaubt seiner sicher zu sein. Er salbt ihn. Und doch will man noch warten, wie sich Sauls Geist entzünden werde. Später trifft Saul mit den N'wiim zusammen. Und hier, inmitten der JHWH-Trunkenen, ergreift ihn der Geist des lebendigen Gottes, gewaltiger als die ertrotzte Ekstase der anderen, und treibt ihn zur Tat. Saul kehrt zu seinen Rindern zurück, der Stunde wartend, die nach ihm verlangen wird. Indes zog sich das Wetter im Nordosten zusammen. Nachasch, der König der Ammoniter, überfällt die israelitische Stadt Jabesch in Gilead und zwingt sie zur Ergebung. Die Erfolge der Philister werden in den Machtverhältnissen des Ostens fühlbar. In ihrer Not senden die Jabeschiten Gesandte in das Westjordanland, um Hilfe bittend. In dieser entscheidenden Stunde treibt zum ersten Male wieder die Not den Bruder zum Bruder. Die Idee Israel zuckt in den Hirnen auf. Doch niemand findet den Mut, die Entscheidung herbeizuführen. Auch in Gibea treffen die Boten ein. Auch hier hört man ihnen schweigend zu. Da kommt Sau! mit seinen Rindern vom Felde heim. Er ahnt, er weiß die Stunde. Gottes Geist kommt über ihn. Saul fährt auf. Er zerstückelt sein Gespann, läßt die blutigen Stücke durch das Land tragen und ausrufen: „So ergehe es den Rindern eines jeden, der nicht mit Saul in die Schlacht zieht". Der heilige Krieg war eröffnet, Israel erhob sich. In Besek hielt Saul Heerschau; in der Nacht setzte er über den Jordan, am frühen Morgen war das Lager Ammons in der Hand Israels, Jabesch entsetzt — das Ostjordanland gerettet. Nach der Tat von Jabesch wird Saul von dem begeisterten Volk in Gilgal zum König ausgerufen. Die Partner von Mizpah ließen das Volk gewähren, denn sie sahen ihre Hoffnungen erfüllt. Nunmehr sind die Augen ganz Israels auf Saul gerichtet: „Wird er Israel wieder herstellen? In dieser Frage treffen alle Sonderwünsche zusammen. Wird Saul den heiligen Krieg bis zum entscheidenden Siege durchführen, wird er das alte israelitische Recht zum Recht des neuen Israel machen, wird er — äußeres, gewichtiges Symbol — der heiligen Lade den ihr gebührenden zentralen Ort anweisen, von dem aus die Peripherie des israelitischen Lebens erfaßt werden kann, dem dezentralisierten Israel ein aktives Zentrum geben, den zerflatternden israelitischen Geist in göttlicher Fessel binden? Auf Saul war eine Aufgabe gelegt, die genialer und ungebrochener Kraft bedurft hätte, um gelöst zu werden. Saul war nicht der Mann dazu. Er ist an der Schwäche des dunklen, schwerer, problematischen Menschen zugrunde gegangen. Das Reich Sauls umfaßte die Stämme Benjamin, Ephraim und Manasse. Aber die Aufgabe Sauls umfaßte von Anfang an Israel. Das war ihm in der Idee ebenso lebendig, wie einst Gideon, doch im Gegensatz zu ihm glaubte er das Werk beenden zu können, ohne es doch so tief erfaßt zu haben wie Samuel. Sauls großer Geist umspannte die Zukunft. Sein Wille war der des Gottesstieites. Mit der heißen Gottesliebe in der Brust, ina

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