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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 12 · p. 695

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 12
Article
Saul
Date
1923-01-01
Page
695 (sequence 5)
Language
German
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Saul 695 Boden Kanaans für das zukünftige Israel, für das zukünftige Recht zu säubern, eines Menschen, der dann das befreite Israel durch das Gesetz einige, dem Gesetz zugleich die alte Grundlage des Bundes mit Gott lassend und es dem neuen Bauernstaat anpassend. Samuel brauchte einen Mann, der, von Geist und Ideen der Richter beseelt, die Kraft besaß, diese in einem befreiten und geeinigten Gesamtisrael durchzusetzen. Das Volk aber, und einflußreiche Große in ihm, müde des ewigen Krieges und nur auf ihr Leben bedacht, verlangten einen König nach dem Vorbild der Kanaaniter. Einen Mann, der die Philisternot beende, des Baal Willen gnädig wende und nach dessen und eigenem Ermessen über Israel gebiete, furchtbar dem äußeren Feine, stark genug, den inneren zu unterwerfen, und in der Lage, dem Baal zu opfern. Gleichgültig, ob der Name Baal oder JHWH — der Name rührt das Wesen nicht: mit JHWHs Name und Baals Wesen — nur leben! Samuels Stellung war diesen Forderungen nicht gewachsen. So hat er sich zunächst damit begnügt, wie einst die Richter Recht zu sprechen. Aber im geheimen tat er mehr. Im Lande zerstreut taumelten sich die wilden Scharen der N'wiim, die Zunft der Gottestrunkenen. Voi? Norden dringen sie in Palästina ein; die gemeine Not des Landes ruft sie. Auch ihr Gotterfassen ruht, wie das des Sehers, auf dem Ungewöhnlichen, Außerordentlichen. Doch führt sie nicht, wie diesen, die natürliche Begabung des Einzelnen zu Gott. Gott offenbart sich ihnen nicht. Sie suchen ihn herbeizuzwingen, erzeugen künstlich, im wilden Taumel, jenen Rausch, in dem sie Gottes Ratschluß zu vernehmen glauben. Und immer in der ganzen Zunft sich fortbewegend, sind sie ein lebendes Symbol für die Leiden der gequälten Nation. Ihnen nähert sich Samuel und beruhigt ihre Raserei. Er ist ihnen verbunden durch die gleiche Idee der Rettung Israels durch Gott und wandelt so ihre Zunft, gibt ihr Ordnung, Richtung, gerades Ziel und schafft sich aus ihnen und dem Volk, das um sie her lebt, den lang erwünschten Kreis. So erstarkt, kann Samuel den Kanaaniterfreunden Trotz bieten. Zu Mizpah findet die Beratung statt, auf der sich die Zukunft Israels entscheiden soll. Und dem Worte Samuels gelingt das Unerwartete: man einigt sich auf ein Gotteskönigtum. Der Retter Israels soll den Königstitel führen und königliche Macht besitzen, doch soll er sie von Gott zu Lehen tragen. Er soll Israel befreien und ein neues, das alte Recht ihm geben, das Recht JHWHs, des neuen Bauerngottes, der doch der Gott des Rechtes blieb. Der Mann, der nun berufen ward, die Königskrone zu tragen, kam nicht zufällig aus Benjamin, das bis dahin nur lose mit Israel verbunden war. Man glaubte einerseits, daß ein Mann aus diesem Lande der israelitischen Freiheit nicht gefährlich werden könne, auf der anderen Seite aber hoffte man dadurch genügend Einfluß zu besitzen, um den benjaminitischen Fürsten bei der Fahne des Gottesvolkes zu erhalten. So fällt die Wahl auf Saül aus Gibea. Die Wahl blieb zunächst geheim, als ein stilles Über* hinkommen zwischen den Partnern von Mizpah. Samuel,* mit Saul be-

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