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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 670

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Kritische Übersicht über die neuere Literatur
Date
1923-01-01
Page
670 (sequence 4)
Language
German
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670 Umschau: Bibel Wissenschaft das Buch den ganzen Menschen. Und zu einer kongenialen Auslegung des A. T. gehört auch eine jüdische Seele. Wann werden wir den jüdischen, auf wissenschaftlicher Höhe stehenden Kommentar zu unserer Thor ah erh alten r Friedrich Stummer: Sumerisch-akkadische Parallelen zum Aufbau alttestamentlicher Psalmen1). Diese sehr erwünschte Studie will untersuchen, inwieweit im Aufbau alttestamentliche Psalmen baby- , Ionische Elemente festzustellen sind, und ihre Entwicklung verfolgen. Eine Ähnlichkeit babylonischer Hymnen mit den Psalmen ist zwar immer behauptet, aber eine systematische Vergleichung noch niemals angestellt worden. Der Verfasser nimmt sie unter Heranziehung des gesamten bisher zur Verfügung stehenden babylonischen Materials vor, indem er die einzelnen Elemente zunächst des Individualpsalms untersucht: die Anrede mit den Formeln ihres Schemas — die Herrlichkeitsschilderung — die Selbsteinführung des Beters — die Elendschilderung oder Klage — die Bitte — den Aufbau des Psalmschlusses.In einem zweiten Teile werden Eigentümlichkeiten in Aufbau der öffentlichen Liturgien in Babylonien und ihre Entsprechungen im Psalter behandelt: die Litaneien, die motivabwandelnden Gruppen, die Gottesrede. Die Abhandlung ist als der erste Teil einer Reihe von Studien gedacht, "die das Verhältnis der Psalmen nicht bloß zur sumerisch akkadischen, sondern auch zur ägyptischen Hymnendichtung nach allen Seiten behandeln sollen. Ein zweiter Teil wird der Vergleichung der Ausdrucksweise der Psalmen und der sumerisch-akkadischen Kultpoesie gewidmet sein, während ein dritter die religiöse Höhenlage der heiligen Dichtung Israels feststellen soll. Es wird also auf diese Studien, denen wir den besten Fortgang wünschen, da sie sowohl auf die Psalmen als auch auf die spätere jüdische Liturgie ein neues Licht werfen, noch zurückzukommen sein. Eduard König: Die messianischen Weissagungen des!) XIV u. 190 S. Studien zur Geschichte und Kultur des Altertums, im Auftrage und mit Unterstützung der Görresgesellschaft herausgeg. von Drerup, Grimme, Kirsch. Paderborn, Verlag von Ferdinand Schöningh 1922, Grundpreis 4 M. Alten Testaments, vergleichend' geschichtlich und exegetisch behandelt *). Der Verfasser gehört zu den beneidenswerten Autoren, denen keine Papiernot etwas anhaben kann. Nach dem Kriege, wie die Jahrzehnte vor ihm, überschüttet er uns eher noch zunehmend mit Erzeugnissen seines unverdrossenen gelehrten Fleißes, die sicherlich bereits eine stattliche Bibliothek mit nicht nur einer Unmenge kleinerer Schriften, sondern auch einer beträchtlichen Reihe umfangreicher Werke ausmachen. Dazu kommen zahllose Abhandlungen, Aufsätze und Artikel in allen möglichen gelehrten und ungelehrten Zeitschriften und Tageszeitungen. Wir sind ihm schon gleichermaßen (und das bei nur zufälliger Lektüre) in der „Kreuzzeitung" wie im „Berliner Tageblatt," im orthodoxen „ Jeschurun" wie in der Zeitung „Liberales Judentum" und den „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus'1 begegnet, und man wird wohl niemals ein größeres Lesezimmer vergebens betreten haben, wenn man Königs Namen suchte. Denn er sieht es als seine Aufgabe an, zu allem, was nur irgendwo erscheint und mit dem A. T. in Beziehung steht, ohne Verzug sein Votum abzugeben und denselben Stoff in immer neuen Variationen und Kombinationen zu bearbeiten. So legt er jetzt, um einem tiefgefühlten Bedürfnis entgegenzukommen, da wenigstens im protestantischen Kirchengebiet seit fast einem Menschenalter keine eingehende Darstellung dieses Gegenstandes erschienen ist, dieses umfangreiche Werk über die messianischen Weissagungen vor. Der Verfasser glaubt für sein Buch wegen des gerade jetzt seit dem Weltkriege sehr lebendigen Interesses für die endzeitlichen Erwartungen auf einen ausgedehnteren Leserkreis rechnen zu dürfen. Diese Hoffnung teilen wir nicht. Denn die Schrift leidet an denselben äußerlichen Mängeln, die aus den meisten seiner früheren Werke schon genugsam bekannt sind. Die Gabe der Darstellung und eines guten Stils ist ihm nicht verliehen. Und jener Leserkreis wird sich, wenn nicht durch die ungeheure Menge von Zitaten, die beständige Diskussion auch grundloser Hypothesen und das schwerfällige Rüstzeug einer scholastisch-pedantischen Systematik mit ihren zahllosen Fachausdrücken, schon durch die beständigen nicht gerade kurzi) VIII u. 366 S., Stuttgart, Chr. Belser 1923. Grundpreis Mk. 12.80.

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