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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 662

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Bücheranzeige [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
662 (sequence 2)
Language
German
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662 Umschau: Geschichte hervorragende quellenkritische Leistung besonders bemerkenswert) , Dob R e v e 1 über den Brief der Saddiah Gaon (mit Ergänzungen von Epstein), sowie J. N. Simc h o n i s Publikation von drei Gedichten Jehuda Haie vis aus einer Handschrift der Berliner Staatsbibliothek, endlich Dubnows Herausgabe antichassidischer Streitschriften (Fortsetzung einer in der Sammelschrift „Heavar"1) 1918 begonnenen Materialsammlung). Eine Kritik der Neuausgabe von Philippsohns „Neuester Geschichte des jüdischen Volkes" (Bd. I), in der El bogen sich mit dem Herausgeber Paul Rieger deutlich auseinandersetzt, und eine bibliographische Übersicht der 1914—1918 erschienenen Bücher über jüdische Themen in fremden Sprachen beschließen den Band. Mit dem soeben erschienenen dritten Bande hat S. M. D u b n o w seine Neueste Geschichte des jüdischen Volkes" abgeschlossen2). Dieses Werk, das wohl für die nächsten Jahre den Markt zu beherrschen bestimmt ist, zumal es außer in der deutschen noch in russischer, hebräischer und jüdischer Sprache erscheinen und eine Ergänzung durch Neubearbeitung der Geschichte von den Urzeiten bis zur französischen Revolution erfahren wird, ist an sich ein Ereignis, schon weil es sich als das seit Graetz umfassendste und die inzwischen gewaltig angewachsene Einzelforschung voll berücksichtigende Geschichtswerk präsentiert. Es wäre u. E. nicht gerecht, wollte man Dubnow die zahlreichen, in einem so grossen Werk nicht zu vermeidenden, aber auch selbst die vermeidbaren Fehler vorrechnen. Gewiß könnte man gegen manche Behauptung,gegen.manches Urteil ernste Bedenken äußern, eine Reihe unrichtiger Tatsachen konstatieren, den Stil der Übersetzung, den Gebrauch vieler in der deutschen Sprache nicht üblicher Slavismen und sonstiger Fremdbildungen, die Unart des Übersetzers, Zitate nicht nach dem Wortlaut des Originals anzuführen, sondern aus dem Russischen zu übersetzen (z. B. das Zitat aus der Rede Nordaus auf x) Die Vergangenheit. 2) „Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes" III. Bd. Vierte Abteilung: Die Epoche der zweiten Reaktion (1881—1914). Jüdischer Verlag, Berlin 1923 — 586 S. Die hier gerügten technischen Mängel sind in den hebräischen und russischen Ausgaben, die sehr schön ausgestattet sind, vermieden. dem 2. Zionistenkongreß S. 350 u. a. m.), die Unvollständigkeit der Literaturangaben und das Fehlen des für ein so umfassendes Werk unentbehrlichen Registers und viele andere tadeln, aber damit würde wenig gewonnen sein. Wichtiger scheint uns die Beantwortung der Frage, ob die Dubnows che Geschichtsdarstellung uns gefördert, uns um ein Stück Weges zu dem idealen Ziele der jüdischen Historiographie vorwärtsgebracht hat, mit anderen Worten die Frage nach der Konzeption und Methodik des Dubnowschen Werkes. Dies gilt um so mehr, als Dubnows Auffassung der Zusammenhänge und die aus ihr resultierende Wertung einzelner Tatsachen im Mittelpunkte des zu erwartenden Streites um sein Werk stehen werden. Daß dem so ist, daß die nationale Konzeption, auf der Dubnow seine Darstellung in vollerVereinbarkeit mit „wissenschaftlicher Objektivität" aufbauen zu können glaubt, der in den Kreisen der westlichen Juden Keit vorherrschenden Auffassung der Geschichtsprozesse entgegengesetzt ist, dafür zeugt die bittere Klage, mit der das Zentral vereinsblatt das Erscheinen des dritten Bandes quittierte (II. Jg., Nr. 28, S. 226/7). Der Verfasser dieser Besprechung sucht mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit den Trennungsstrich zwischen seinen Gesinnungsfreunden, gewiß der Mehrheit der deutschen Juden, und dem nationalen Historiker, den er irrtümlicherweise „extrem zionistisch" nennt, zu ziehen, indem er die Anwendbarkeit des Volksbegriffes für die Juden mit bekannten Argumenten bestreitet, aus Dubnows Darstellung nichts anderes als die „passive Rolle" einer „Schicksalsgemeinschaft" herauslesen zu können glaubt, die Auffassung Dubnows von der Emanzipation und Assimilation als unhaltbar, weil mit der „Eindeutschung" und dem Willen: nicht nur deutsche Staatsbürger, sondern auch Volksgenossen sein zu wollen, unvereinbar zurückweist, und schließlich die Betrachtung deutscher Verhältnisse „aus der Perspektive des jüdischen Nationalisten" sich verbittet, weil „jede Beleidigung, die dem deutschen Volke zugefügt wird, uns mittrifft und wir nicht gesonnen sind, die Fensterscheiben zu bezahlen, die ein Außenstehender einwirft — selbst wenn er Dubnow heißt". Die Töne, welche aus solchen Worten klingen, sind nicht ganz unbekannt. Wir erinnern an die Aufnahme, die vor 53 Jahren der elfte Band derGraetzschen Geschichte bei den deutschen

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