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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 649

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Die Rechabiter
Date
1923-01-01
Page
649 (sequence 13)
Language
German
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Die Rechabiter 640 übermächtigen Gefahr folgend; als die furchtbaren Heere Nebuchadnezars heranzogen, flüchteten sie sich nach Jerusalem „und wohneten daselbst" 1). Was mit ihnen nachher, in der Zeit des Exils geschah, wissen wir nicht. Doch als Esra und Nehemijah zum Bau von Jerusalem aufriefen2), waren auch die Rechabiten zur Stelle, die um diese Zeit im Süden von Jerusalem gewohnt haben müssen. Zumindest ist bei Nehem. 3, 14 die Rede davon, daß das Misttor (an der südlichen Mauer) von einem Mann namens Malkijah, aus dem Hause der Rechabim gebaut wurde, der sonderbarerweise — sonderbar für einen Rechabiter — Oberster des Bezirkes Beth Cherem, also des Bezirkes der Weingärten ist. Ob dies ein Zufall, oder ob die Rechabiter während des Exils die Ordensregel abgelegt hatten und seßhaft wurden und den Weinstock pflegten, oder ob der Name für den Bezirk aus der Zeit vor der Zerstörung übernommen und diese Landschaft nun eine unbebaute Wüste war — wir wissen es nicht. Wir wissen es ebenso wenig, wie wir die Ereignisse kennen, die späterhin mit dem Namen des Hauses Rechab verbunden waren. Die Rechabiten tauchten unter in die Geschichte der Namenlosen. Kein Zeugnis in den kanonischen Schriften spricht mehr von diesen gewaltigen Gotteskämpfern, die im Gegensatz zu ihrer Zeit und ihr zu Trotz Ihr Leben lebten, das ein unbeugsamer Wille und glühende Liebe diktierte. Ihre Spuren sind verwischt, nur die Legende3) hat sie aufgenommen. Heute noch spricht man in Palästina davon, daß irgendwo in der großen Wüste Beduinenstämme ziehen, die das Gesetz der Rechabiten halten. (Dem Schreiber dieser Zeilen wurde 1917 in Jerusalem berichtet, daß im Hospital Scha'are Zedek ein Schomer liege, der auf einer Reise mit einem Beamten des russischen Konsulates in der Wüste rechabitische Beduinen getroffen habe)4). Wir wissen auch darüber nichts Sicheres. Keines dieser Gerüchte wurde je belegt. Gering sind die Stellen die von den Bnej Rechab sprechen. Wir wissen nicht die Ursache, warum unsere Geschichtsschreibung sie derart stiefmütterlich behandelte. Möglich, daß Schriften, die eingehendei ihre Historie aufzeichneten, verloren gingen, möglich auch, daß das Ideal dieses Ordens den Chronisten verwerflich und für ein Staatswesen, das imperialistischen Tendenzen nicht immer fern war, allzu abenteuerlich schien, sodaß sie den Bericht über diese Außenseiter alt jüdischer Politik, soweit es anging, unter- *) 3405, d. I 587 v. d. g. Z. a) 3544, d. i. 444 v. d. g. Z. 3) Eine Legende, die Bin Gorion in seinem „Born Judas" (Insel-Verlag) aufgenommen hat, spricht von den in Thama unter ihrem Fürsten R. Chanan wohnenden Söhnen Rechabs. Die Prager Legendensammlung „Sippurim" kennt eine Erzählung von den „Jahud-Chebr", wie die Rechabim genannt werden. Bezugnehmend auf Pesiktha Rabathi 31 wird die Wohnstätte dieser Ankömmlinge Rechabs, die das Schmiedehandwerk ausüben, in das Land Sinnim, d. i. Yemen, verlegt. 4) E. 0. A. Riehm sagt in seinem „Handwörterbuch des biblischen Altertums", Leipzig 1884, daß nach der Weise der Rechabiter leben soll „der die nächste Umgebung des Wadi Musa besitzende Araberstamm el lijäthine, der sich zwar zum Islam bekennt, aber den jüdischen Typus tragen und manche jüdische Gebräuche haben soll.*' Interessant ist überdies die Meldung des großen jüdischen Reisenden Benjamin ben Jona von Tudela (um die Mitte des 17. Jahrh.s) von seinem Zusammentreffen mit Rechabitern, die in der Dschesireh unter einem Nasi wohnen.

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