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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 648

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Die Rechabiter
Date
1923-01-01
Page
648 (sequence 12)
Language
German
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648 Eugen Hoeflieh: rung abgehen; sie sahen nur Tod, Verfall, Untreue und Abkehr vom Angestammten; die rauschenden Opferfeste dünkten ihnen Verhöhnung des alten Wüstengottes, die vornehmen und fest gebauten Häuser erschienen dem Mann, dessen einzige Behausung das leichte Zelt der Wüste war, wie eine Lästerung des Gesetzes, und die reichen Opferstätten waren ihm Nachahmungen der Opferstätten der Ba'ale Isebels und der verhaßten Syrer, So müssen wir uns den Zug der Rechabiter gegen Ahab als einen Zug ekstatischer Berserker vorstellen, die in Blut und Feuer die Ba'ale und ihre Verehrer dem alten Gotte des Bundes zum Opfer bringen. Einer neuen Zeit reiten sie entgegen; um dem Messias, der ihnen ein lauher Wüstenreiter über Jisrael ist, den Weg zu bereiten, erschlagen sie jubelnd die Ba'ale____ Zweihundert Jahre später (etwa 3300, d. i. 600 v. d. g. Z.)> zur Zeit Jehojaqims, des Königs in Juda, in jener Zeit zunehmender Sittenlosigkeit, die dem Fall des Tempels voranging, treffen wir die Rechabiter wieder im Süden (im judäischen Hochland). Noch immer führen sie ihr heiliges Leben. Sie scheinen zu dieser Zeit die einzigen gewesen zu sein, die von der allgemeinen Sittenverderbnis nicht ergriffen waren. Noch immer hielten sie die Fahne Gottes und des alten Bundes hoch und lebten den Idealen, die die gleichen geblieben waren wie seit alters her. Wir lesen Jerem. 35, 2 — 11, daß Gott sie versuchte. Standhaft aber hielten sie die Ordensregel, als der Prophet auf Gottes Geheiß ihnen im Tempel Wein bot. „(3) Und ich nahm Jaasanjah ben Jirmijahu ben Habazinjah und seine Brüder und das ganze Haus der Rechabim, (5) und ich setzte den Söhnen des Hauses der Rechabim Kelche vor voll Weines1) und Becher und ich sprach zu ihnen: Trinket Wein! (6) Sie aber sprachen: Wir trinken nicht Wein, denn Jehonadab ben Rechab unser Vater hat uns das Gebot auferlegt: Ihr sollt nicht Wein trinken, ihr und eure Kinder auf ewig. (7) Ein Haus sollt ihr nicht bauen und Saat nicht säen und einen Weinberg nicht pflanzen und nicht haben. Sondern in Zelten wohnet alle eure Tage2), auf daß ihr viele Tage lebet auf dem Boden, woselbst ihr weilet. (8) Und wir gehorchten der Stimme Jehonadabs ben Rechab usw." Sie weigern sich den gebotenen Wein zu trinken. Sie allein sind es, die nicht zu leicht befunden werden, sie allein sind es, die den alten Bund noch halten, ihnen kommt die Verheißung: „Weil ihr gehört auf das Gebot Jehonadabs, eures Vaters, und habt beobachtet alle seine Gebote, darum spricht ^also der Ewige der Heerscharen, der Gott Jisraels: Es soll dem Jehonadab ben Rechab nicht an einem Manne fehlen, der vor mir steht, in keiner" Zeit" (Jerem. 35,18.19). Einmal haben sie zwar das Gebot übertreten, aber nicht freiwillig, sondern dem Drucke einer 1) Nasiräer wurden anscheinend auf diese Weise schon früher von den Herrschenden, als sie ihnen unbequem zu werden anfingen*, zum Bruche des Gelöbnisses gezwungen. Siehe Arnos 2, 1: „Und ihr gebt den Nasiräern Wein zu trinken." 2) Dr. Hugo Knöpfmacher, der die westliche Mongolei durchquert hat, erzählt mir, daß es bei den nomadischen Chalcha-Mongolen religiöses Gebot ist, in Zelten (Yurten) zu wohnen. Auch städtische Ansiedlungen der seßhaft Gewordenen bestehen daher vorwiegend aus Yurten. Die Vornehmen, welche in Häusern wohnen, stellen Yurten innerhalb derselben auf.

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