Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Rechabiter
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 646 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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646 Eugen Hoeflicb: der abgefallenen Könige oder in die der Gegner des Judentums, z. B. in Damaskus, eingebrochen sein. — So waren also die Rechabim weder Schriftpropheten noch Weissager, nicht wundertätige Fakire, sondern vor allem Propheten der Tat, Propheten durch ihr paränetisches Leben, eine Genossenschaft beispielgebender Kämpfer. Aus dem Sinn und aus dem Wesen dieses Ordens, aus seiner Abwehrstellung sowohl als auch aus seinen programmatischen Bestimmungen können wir die Mißstände in sozialer und in religiöser Beziehung, im Staatswesen, mit dem die Rechabiten durch Religion und Blutsbande verbunden waren, ermessen. Krieg war im Lande, Ben-Hadad, der Damaszener, hatte Schomron belagert, Hungersnot war im Gefolge des Krieges -aufgetreten, die besitzlosen Klassen schmachteten unter den Folgen der kriegerischen Wirren, während das Königshaus — die tyrische Isebel ist Königin, des schwächlichen Ahab Frau — sowie Hof und Adel in noch nie dagewesenem Luxus schwelgen. Ungeheure Lasten und Bedrückungen sind an der Tagesordnung. „Sie hassen das Gute und lieben das Böse", so kennzeichnet Micha (3,2) die herrschenden Klassen. Der König, der Nachfolger jener Männer, die Recht sprachen in Jisrael, führt den Reigen der Ungerechten: er ist es, der den Mann Naboth ermorden läßt, weil er dessen Weinberg besitzen will. Er ist von Fremden umgeben, baut den Göttern dieser Fremden, die das Land aussaugen, Tempel auf jüdischer Erde; unerhörte Schwelgerei kennzeichnet die Hofhaltung, so daß immer drückender werdende Steuern dem Volk, das mit empörtem Blick dem schamlosen Treiben zusieht, auferlegt werden müssen. Immer stärker wird der Einfluß der Fremden, immer größer ihr Machtkreis, denn der König verkauft die einflußreichen Verwaltungsstellen des Staates, die Armee verschlingt ungeheure Summen, und die Scheidung zwischen den in den Städten lebenden grundbesitzenden Effendis und der besitzlosen Fellachenbevölkerung wird immer größer. Ein für das demokratische Empfinden des alten Bauerngeschlechtes unerhörter Prozeß! Micha charakterisiert (3, 10—12) diese grundlegende Abkehr von altjüdischer Sitte mit geißelnden Hieben: „Man bauet Zijon mit Blut und Jeruschalajim mit Ungerechtigkeit", und „Ihre Häupter richten um Bestechung, und ihre Priester lehren um Lohn, und ihre Propheten wahrsagen um Gold, und auf den Ewigen stützen sie sich und sprechen: Ist fußen auf der Lehre Ibn Hanbals (erneuert durch, Mohammed 'abd el Wahab) und bilden eine bis in den Tod solidarische, äußerst fanatische Sekte, deren Programm die Reinigung und Erhöhung des Islam, selbst durch Feuer und Schwert ist. Sie führen unter der Devise „Rückkehr zum Qur'än" den Kampf gegen zwei Fronten: gegen den Muslim, der den Islam verfälscht, wie gegen den Ungläubigen. Programmatisch verboten ist für die Mitglieder dieser beduinischen Sekte: Genuß von Tabak und Wein (bei Todesstrafe), Verkehr mit fremden Frauen, das Beschneiden des Bartes und der Gebrauch moderner Erfindungen und Institutionen. Gefordert wird: höchste Solidarität, Kleidung aus einfachstem . Stoff, sowie einfachste Lebensführung. Ausgehend vom persischen Golf, haben sie bereits den größten Teil der Wüstenstämme bekehrt und treiben bereits Agentennach Ägypten und Palästina vor. Sie bilden heute das Zentrum aller Regenerationsbestrebungen im Islam, die mit dem nomadischen Ideal, das sie vertreten, zu vereinbaren sind. Vergl. überdies die Organisation der Ssenussije,