Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Rechabiter
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 641 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Rechabiter König von Hazor und zwischen dem Hause Hebers, des Qeni" (Richter 4, 17) — ein Zeichen, wie stark um diese Zeit schon das Nationalgefühl in diesem an der Peripherie des Volkes stehenden Stamme war. Heber, von dem früher ausgesagt wird, daß er von den (andern) Kindern Qajins weg gen Zaanajim gezogen war, dürfte ein Unterscheich des Stammes gewesen «ein, der im letzten Augenblicke in das Gefecht eingreift, während das Weib allein (das heißt: mit den anderen Weibern der Gefolgschaft des Heber) zu Hause bleibt1)* Hundert Jahre später treffen wir die Qeniter zur Zeit Schauls unten im Süden, anscheinend im Bündnis Verhältnis mit den Amalekitern stehend2). Laut I. Sam. 15, 6 versucht der Israeliter Schaul den Stamm, an die gemeinsame Vergangenheit anspielend, zum Parteiwechsel zu überreden. „Und Schaul sprach zum Qeni; Gehet, weichet, zieht hinab aus der Mitte des Amaleki, daß ich dich nicht hinraffe mit ihnen, denn du hast Liebe erwiesen den Kindern Jisraels bei ihrem Zug aus Mizrajim. Und der Qeni wich aus der Mitte der Amaleki/' Ob die Drohung mit Gewalt oder der diplomatische Hinweis auf die Vergangenheit die Ursache des Frontwechsels war, bleibe dahingestellt, sicher nur ist, daß der Qeni noch immer Nomaden¬ oder zumindest Halbnomadenstamm war, der sich an einen Stützpunkt der Amaletiker lehnte. Dies ist in kurzen Zügen die Geschichte des Qeniterstammes, jenes Teiles des Volkes, der wohl am längsten das beduinische Ideal hochhielt. Ein Wüstenräuber, im Kriege wie im Frieden eine Hilfsquelle der Stämme, war der Qeniter der Vater des Rechabiterstammes, der nun in die Geschichte eintritt, als kriegerischer Nomade, der aber nicht allein Krieger, sondern auch ethisch-religiöse Potenz von höchster Wichtigkeit ist. Kriegerisch tritt er in die Geschichte. Der Revolutionsführer Jehu bereitet den Schlag gegen das Haus Ahab vor und sieht sich nach Bundesgenossen um. Er trifft (wahrscheinlich nicht zufällig) in der Gegend von Schomron das Haupt des Stammes, Jehonadab ben Rechab, den Gründer des Ordens, und fragt ihn: „Ist dein Herz so redlich zu mir, wie mein Herz zu dem deinen?" „Ja, es ist so", antwortet der andere. Sie reichen einander die Hand und der Bund ist geschlossen (2. Kön. 10, 15). Er steigt auf den Wagen Jehus, der wohl an der Spitze seines Heerhaufens zieht, und fährt mit ihm; seine Leute marschieren wohl mit denen Jehus. Im Blute der Ba'alpriester wird der Bund besiegelt. Der rechabitische Stamm muß um diese Zeit demnach schon eine gewisse Macht repräsentiert haben. Aber nicht allein als Vertreter von so und so vielen Schwertern muß Jehonadab von dem Reiteroberst Jehu gesucht worden sein, sondern auch um seines Einflusses im Volke willen, der um diese l) Etwa um 2600, d. i. 1300 v. d. g. Z. Ä) Etwa 2900, d. i. 1000 v. d. g. Z. — Wahrscheinlich war dies kein politisches Bündnis, sondern ein einfacher Vertrag, der die Wanderungswege und die Weideverhältnisse dieser Schafbeduinen mit den Amalekitern regelt, wobei irgendwelche Abmachungen für den Fall des Krieges nicht ausgeschlossen sind. Ähnliche Verträge werden ja auch heute zwischen einzelnen Beduinenstämmen geschlossen. Heft 10/U , ±1