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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 640

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Die Rechabiter
Date
1923-01-01
Page
640 (sequence 4)
Language
German
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640 Eugen Hoeflich: ein reines Naturvolk, räuberisch und gastfreundlich, der Blutrache, dem Kampfe und gleichzeitig der tiefen Religiosität der großen Einsamkeit ergeben. Zu diesen Qenitern nun kommt Moscheh auf der Flucht aus Ägypten. (Wenn auch an der betreffenden Stelle des Berichtes 2. Mos. 2,18 von der Stammeszugehörigkeit Reguels, des späteren Schwagers Moschehs nicht die Rede ist, so weist doch die Stelle Richter 4,11 in Verbindung mit 4. Mos. 10,29 darauf hin.) An dieser letztgenannten Stelle bittet Moscheh den Qeniter, mit dem Volke zu gehen, ,,denn du weißt die Lagerplätze in der Wüste und sollst unser Auge sein". Wir dürfen daraus entnehmen, daß die Qeniter ein Wüstenräuberstamm waren, leicht beweglich, der Brunnen und der Feuerplätze in der Wüste wohl kundig, der, wenn auch klein, dennoch als Freund, nicht nur aus diesem Grunde, sondern wahrscheinlich auch seines Mutes, besser: Wagemutes wegen gesucht ist, denn er ist es, der an den Wegen lauert und auf die ahnungslose Karawane herabstößt. (Bileamsegen 4. Mos. 24, 21: „Fest ist deine Wohnung und du hast dein Nest in einen Felsen gelegt.") Wir dürfen uns nun vorstellen, daß dieser kleine Stamm sich den ziehenden Israelitern als Wegbereiter angeschlossen hatte und mit der Zeit Gaststamm, Klient eines größeren Stammes, wahrscheinlich des Stammes Jehudah (siehe weiter unten) geworden, d. h., ein in Vertragsverhältnis stehender Clan wurde, der zwar seine Selbständigkeit nicht aufgab, wohl aber zu gewissen Leistungen verpflichtet war. Wenn wir der Theorie Gunkels folgen, dürfte es sich bei diesen Abkömmlingen Qajins um Leistungen, die aus dem Schmiedehandwerk sich ergeben, gehandelt haben. Trifft dies zu, dann dürfte dieser Stamm, trotz gewisser Achtung, die ihm als ausgezeichnetem Räuberstamm entgegengebracht wurde, in seiner Eigenschaft als Handwerkerstamm nicht für voll genommen worden sein. Man ist berechtigt, aus dem Leben des gegenwärtigen Beduinen diesen Analogieschluß zu ziehen. Wir finden also schon im Anfang der Geschichte des geeinten Volkes die Stammväter Rechabs mit den Israelitern unter Moscheh in der Wüste. Wohl mögen sich von Zeit zu Zeit ihre Wege getrennt haben, im allgemeinen aber blieb die Volks- und Kampfgemeinschaft erhalten. Lange Zeit hören wir dann von ihnen nichts mehr, bis in die Zeit nach dem Tode Jehoschua's. In dieser Zeit, so berichtet Richter 1, 16 zogen „die Söhne des Qajin von der Palmenstadt samt den Söhnen Jehudah in die Wüste Jehudah ...» und blieben dort wohnen bei dem Volke." Hier haben wir ein Zeugnis für zwei Tatsachen: erstens dafür, daß die Qeniter in einem Vertragsverhältnis zum Stamme Jehudah standen x), und zweitens dafür, daß sie beim Volke blieben, also, daß es wohl früher Gelegenheiten gegeben hatte, da dieses Verhältnis gelöst worden war. Nicht lange hierauf finden wir unseren Stamm im Norden Palästinas. Jael, „das Weib des Heber, des Qeni" erschlägt Sisra, den Feldhauptmann des Königs von Hazor, obwohl „Friede war zwischen Jabin, dem ) Etwa um 2500, d. L 1400 v. d. g. Z.

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