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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 639

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Die Rechabiter
Date
1923-01-01
Page
639 (sequence 3)
Language
German
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Die Rechabiter «39 stärksten inoffiziellen Organisation vielleicht, die das alte Judentum aufzuweisen hatte — ein kriegerischer Stamm, der seiner Zeit den Kampf bis aufs Messer angesagt hatte, zur Verherrlichung des Namens Gottes: Dies sind die Söhne Rechabs, die Chewrah der Gotteskämpfer. Spärlich sind die Quellen in den kanonischen Schriften des Judentums, aus denen wir uns ein Bild dieser ihrer ungeheuren Verantwortung bewußten Männer machen können. Wenige Zeilen nur, verstreut in mehreren Büchern der Bibel, sind es, die von der Existenz dieser Sekte sprechen, aber wenn wir in diesen Zeilen und Zwischen ihnen zu lesen verstehen, erhebt sich vor uns das großartige Bild einer Gemeinschaf t, die auf Brüderlichkeit, auf gottnahem reinen Judentum und in einem Idealismus fußt, der die Fahne des Judentums in einer Zeit des größten Chaos hochhält, in dem die Spitzen der jüdischen Gesellschaft: Hof, Adel und Priestertum, vom Judentum entfernter sind, als das Heidentum, das zu bekämpfen ihre Sendung war. Nur Hypothesen sind es, die wir aus den kargen Berichten aufstellen können, Hypothesen aber von größter Wahrscheinlichkeit, die ein beinahe geschlossenes Bild eines Sozialgebildes ergeben, dessen Band nicht die ökonomische Not des Tages, nicht Produktion und nicht Konsum, nicht Stammesbewußtsein schlechthin, sondern Religiosität und eine unermeßlich tiefe Sehnsucht nach Gottnähe und natürlichem — im Sinne jüdischer Beduinenabkömmlinge natürlichem — Leben ist. Ein Bund von Nasiräern, nicht weltflüchtiger Asketen, die in Klöstern beten, ein Stamm von weltzugewandten Religionskämpfern, keine Sekte im Judentum, keine Schismatiker, sondern das Judentum selbst, der letzte Rest des jüdischen Volkes, der sich auf sein Judentum besonnen hat. Die Rechabiter, Bnej Rechab — wir dürfen sie so nennen, wiewohl der Stamm diesen Namen erst in der Zeit seines Auftretens als religiös bestimmter Faktor trägt — führen diesen Namen auf einen Propheten, Nasiräer oder Angehörigen einer Nebiimgruppe, namens Jehonadab ben Rechab zurück (Jerem. 35, 18), der ein Abkömmling eines Mannes namens Rechab (vielleicht vom Worte roi reiten, ein Kamelbeduine vielleicht) ist, über den nichts weiter bekannt wird, als daß er ein Qeniter war. Daraus folgt, daß der Bund der Rechabiten, in seinem Kern zumindest, aus qenitischen Stammesangehörigen bestand. Es heißt in I. Chron. 2, 55 „Das sind die Qinim (Qeniter), welche kommen vonHammat, dem Vater von Beth Recha b". Es ist nun in diesem Zusammenhange nicht unwichtig, über diesen Stamm der Qeniter . einige Worte zu sagen, nicht nur um den Zusammenhang der Rechabiten mit den zwölf Stämmen, mit dem als Bnej Jisrael bezeichneten Volke festzustellen, sondern.auch um das Milieu kennen zu lernen, dem die Bnej Rechab entwuchsen und das mitbestimmend für ihr Wesen ward. Wir finden die Qeniter zuerst in der Wüste Sinai, als einen dort umherziehenden und zeltenden Stamm, der wohl mit den andern Iwristämmen aus dem Zweiströmeland hierhergekommen sein dürfte und der seinen Stammbaum auf Qajin, den Sohn der ersten Menschen, zurückführt. Einer der Beduinenstämme, die nicht unter ägyptische Herrschaft gekommen waren, blieben sie auch innerlich unabhängig von ägyptischer Zivilisation, naiv, ungebrochen..

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