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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 631

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Das soziale Ideal bei Platon und den Propheten
Date
1923-01-01
Page
631 (sequence 14)
Language
German
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Das soziale Ideal bei Piaton und den Propheten 631 sein Ausdruck der „Teile der Seele" nicht buchstäblich zu nehmen ist, sondern nur die Artbegriffe der Seele bedeutet, so bleibt es doch immer die Analogie der Stände, deren Dreiheit in einer Dreiheit der Seelenarten sich widerspiegelt. Es ist die Logik im Zufall einer geistigen Entdeckung, die hier ihr Spiel treibt. Vielleicht wäre Piaton nicht auf die Entdeckung der dritten Seelenart gekommen, wenn ihn der dritte Stand nicht darauf hingelenkt hätte. Und es spricht nicht dagegen, daß die psychologische Dreiteilung nicht genau entsprechend der Drei-Stände-Einteilung ausfallen konnte. Denn für den dritten Stand hatte, die bisherige Psychologie schon ausgesorgt: dem Gütererwerb entspricht die Begierdenseele. Aber die Abzweigung des herrschenden Standes in die Krieger und die Wissenden war ein neues Problem. Für die Erkenntnis war nun aber schon seit Anaxagoras gesorgt. Die Vernunft brauchte nicht einmal die göttliche Weltvernunft zu bleiben, vielmehr war ihre Auszeichnung notwendig für den Stand der Wissenden, den idealen Menschentypus. Aber die Vernunft hat jetzt auch im Kriegerstande eine praktische Seelenprovinz. Diese muß ebenso von der allgemeinen Vernunft unterschieden, wie mit ihr vereinigt werden; beides nach dem Muster der Krieger und der Wissenden unter der Einheit der Wächter. So ist nun der Urtypus des Willens zur Welt gekommen. Aber sein Geburtsmal trägt er in seinem Namen an sich. Den Willen kennt Piaton nur erst in der Wollung: der den Willen vertretende Name ist die falsch übersetzte Leidenschaft. Es gibt aber außer dem Affekte keine bessere Übersetzung für dieses Wort, das Piaton aus seiner Sprache für seinen neuen Begriff eingesetzt hat. Bei Homer bedeutet es noch den Zorn, und es ist ja wohl auch sprachlich verwandt der Feuer- und Rauchseele, welche eine Urform der Seele ist. Immerhin hat sich nunmehr der Affekt ebenso von der Begierde wie von der Denkkraft abgeschieden. Weder des Gedankens Blässe noch der zügellose Trieb macht sein Wesen aus: eine neue Grundkraft der Seele hat der Kriegerstand der Staatsseele entbunden. Es ist jetzt nicht mehr nur der wilde Trieb und die Begierde und die Leidenschaft, die den Menschen beherrschen, geschweige seine Seele ausfüllen und ausmachen, sondern eine Mittelkraft des Bewußtseins ist an den Tag gekommen, die nicht nur medial ist, insofern ihr die Eigenkräfte der anderen Seelenarten fehlen, sondern die vermittelnd ist zwischen ihnen. Die Begierde wird nicht entkräftet, aber zähmbar gemacht. Und die Vernunft wird nicht für die Erkenntnis reserviert, sondern sie wird zusammengespannt mit dem Rosse des Mutes, und in diesem Doppelgespann erschaut die Seele bei ihrer Präexistenz die ewigen Ideen. Die neue Seelenkraft vereinigt die beiden früheren. Und in der Tat fordert die Ethik Piatons eine solche Einheit der Seele. Die reine Ethik Piatons, die auf der Idee des Guten beruhende, fordert unbedingt diese Einheit der menschlichen Seele. Anders aber steht es mit seiner angewandten Sittenlehre, mit seiner Staatslehre, und aus dem Staate will er die Seele des Mikrokosmos sicherer erkennbar machen als in dem

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