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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 620

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Das soziale Ideal bei Platon und den Propheten
Date
1923-01-01
Page
620 (sequence 3)
Language
German
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620 Hermann Cohen: Sie alle wissen nicht, was sie tun. Sie sind alle die Urheber gewaltiger, ewiger geistiger Schöpfungen, aber sie sind dem Dädalus vergleichbar oder dem Bildner von Götterbildern. Auch diese Begriffsbilder können nicht sehen noch hören, und es fehlt in ihnen selbst der lebendige Hauch, der sie von Machwerken unterscheidet. Die Idee erst verschafft dem Begriffe seinen schöpferischen Lebensgrund, der die Rechtfertigung seines Daseins und seines Wirkens enthält. Er darf fortan kein Rätsel und kein Mysterium mehr bilden: das Götterbild ist gleichsam ein Menschengebild geworden, ein Erzeugnis des Geistes und sein Zeugnis. Unter allen Wendungen, mit denen Piaton seine Idee in ihrer Gipfelung alles Geistigen zu beschreiben sucht, sind es daher zwei Begriffe besonders, durch die er das Tiefste und Klarste der Idee zur Bestimmung bringt: erstlich durch das Wortspiel mit dem Begriffe, als L o g o s, welches in dem „Geben des Lo g os" die Bedeutung der Rechenschaftlegung annimmt. So wird der Begriff zu seinem eigenen Buchführer und Rechenschaftableger. Dieses Gleichnis würde Piaton nicht gewählt haben, wenn er nicht streng und geschlossen auf das Gebiet der Wissenschaft sich eingestellt hätte. Und so ist der andere Versuch zur Bestimmung der Idee hinzugekommen, der auf das methodische Verfahren bei aller wissenschaftlichen Forschung, vornehmlich daher bei der Mathematik eingeht. Dort ist der Weg der Rechenschaftlegung klar vorgezeichnet, und Piaton selbst hat ihn geebnet und aufgehellt. Die Grundlegung, H y p o t h e s i s ist es, welche den Weg des Geistes zum Wege der Wissenschaft macht. Mag immerhin sogar die Hypothesis dem dunklen Gebiete der Schau und der Ahnung selbst auch angehören, dieser Verdacht und diese Ungewißheit beirrt den Weg der Wissenschaft nicht, die von der klargelegten Grundlegung aus schrittweise ihren Weg geht und ihre Herleitungen gewinnt. Rechenschaft und Hypothese ergänzen einander: die Rechenschaft fußt auf der Hypothese, und die Hypothese zielt auf die Rechenschatt hin. . Mit der Idee hat demnach die Naivität des Denkens selbst im Schaffen der Begriffe aufgehört: an der Wissenschaft und ihrer Grundmethode ist der Begriff, ist das Denken über sich selbst zur Klarheit gekommen. Aus der Doppelbedeutung der emorffiij ist die Idee emporgewachsen, und in diesem Zusammenhang mit der Wissenschaft ist sie zur Wurzel der Erkenntnis geworden. Was ist das Wesen der Idee? Diese Frage läßt eine bestimmte Antwort zu: Die Idee ist der Begriff der wissenschaftlichen Erkenntnis, der Erkenntnis, welche an die Wissenschaft angeschlossen, mit der Wissenschaft verwachsen ist, dergestalt, daß die Erkenntnis aus der Wissenschaft entstanden ist, und die Wissenschaft wiederum ihre Säfte als Erkenntnis organisiert. Der Idealismus ist demgemäß Idealismus der Wissenschaft. Ohne ununterbrochenen Zusammenhalt mit der Wissenschaft gibt es keine Erkenntnis, keine Idee, keinen Idealismus. Ein Idealismus der Ahnung und der Schau ist bei mildester Deutung ein-

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