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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 594

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
594 (sequence 4)
Language
German
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594. Arjeh Tartakower: später, gab es noch keine einzige jüdische Fabrik mit iooo Arbeitern. In der ganzen Tscherta bildeten um, diese Zeit die jüdischen Fabriken 37,84% aller Fabriken, das in ihnen investierte Kapital aber bloß 22,5% des Gesamtkapitals. ' Jede nichtjüdische Fabrik produzierte durchschnittlich für 65 137 Rubel jährlich, jede jüdische bloß für 31 088 Rubel, auf jede nichtjüdische Fabrik entfielen durchschnittlich 35,7 Arbeiter, auf jede jüdische 21,65. Es zeigt sich aber noch ein weiteres. Nicht alle Gegenden der Tscherta waren industriell gleich fortgeschritten. Im Gegensatz zu den südlichen Gegenden, die diesbezüglich sehr gut gestellt waren, war im Südwesten, noch mehr aber im Nordwesten die Entwicklung der Industrie schwach. Charakteristischerweise war aber gerade in jenen Gegenden der Prozentsatz der jüdischen Arbeiter ein größerer. Die folgende Zusammenstellung beweist das ganz klar: Prozentsatz der Wert der Produktion Zahl der Arbeiter Gegend: jüdischen Arbeiter pro Fabrik jährlich pro Fabrik (in Rubel) Nordwest ... 43 17 791 17,2 Südwest .... 8,81 46 599 31,43 Süden..... 2,75 76 142 42 Der jüdische Arbeiter fand also bloß in den technisch rückständigen Indu-. Strien Aufnahme. Und auch da hatte er mit der Konkurrenz des nichtjüdischen Arbeiters zu kämpfen. Denn der jüdische Unternehmer beschäftigte mit sehr geringen Ausnahmen (etwa der Bürstenfabrikation, in der ausschließlich jüdische Arbeiter tätig waren) neben den jüdischen auch nichtjüdische Arbeiter. Die jüdische Arbeiterschaft bildete bloß 14,4 % der Gesamtindustriearbeiterschaft, obwohl das jüdische Kapital 22,5% des Gesamtkapitals betrug. Die Gesamtzahl der in den jüdischen Fabriken beschäftigten Arbeiter war 63 509, davon waren aber bloß 33 933 Juden. Dabei war der Prozentsatz der Arbeitskräfte in den jüdischen Fabriken im Verhältnis zum investierten Kapital größer als in den nichtjüdischen, da sie wegen ihrer technischen Rückständigkeit wenig mechanische Kraft, dafür aber viel mehr menschliche benutzten. Je fortgeschrittener in technischer Beziehung aber die jüdischen Fabriken wurden, je mehr sie über die Manufakturproduktionsweise hinauswuchsen, desto geringer wurde der Prozentsatz der jüdischen Arbeiter. So waren z. B. in der Holzindustrie, in der das jüdische Kapital eine bedeutende Rolle spielte, in den jüdischen Fabriken nur 20% der Arbeiter Juden, und auch diese fanden bloß für minder wichtige Funktionen (z. B. als Kontorarbeiter, Schlosser, Handlanger u. dgl.) Verwendung. Die Ursache dieser Erscheinung liegt einerseits darin, daß die Eigentümer der größeren Fabriken viel mehr assimiliert und dem Judentum entfremdet waren, als die der kleineren, also gar kein Interesse für jüdische Arbeit hatten; anderseits war gerade in den technisch fortgeschrittenen Fabriken, die oft größere Ansprüche an Kraft, Ausdauer und technische Vorbildung stellten, der nichtjüdische Arbeiter, der als gesunder kräftiger Bauer vom Dorf kam oder aus einer ähnlichen nicht jüdischen

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