Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 592 (sequence 2)
- Language
- German
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592 Arjeh Tartakower: lungsgebiet, hierunter ist natürlich auch Kongreßpolen miteinbegriffen), im Westen London in Betracht. Über die jüdischen Produktionsverhältnisse in der Tscherta in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts sind wir trotz der großen Mängel der amtlichen russischen Statistik ziemlich gut informiert. Die jüdische Gesellschaft Ica hat in den Jahren 1897, l%9% und 1899 eine gründliche Untersuchung über die ökonomische Lage der Juden in Rußland durchgeführt, die zwar naturgemäß auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann und mit manchen Mängeln behaftet ist, jedoch über die uns hier interessierenden Fragen ziemlich genau Bescheid sagt. Das Material ist im Jahre 1904 in Petersburg unter der Bezeichnung: „Materialiensammlung über die ökonomische Lage der Juden in Rußland" in russischer Sprache veröffentlicht worden. Danach ergibt sich für das Jahr 1897 (das Geburtsjahr des „Bund") folgende Statistik der jüdischen Lohnarbeiterschaft in der Tscherta: Handwerkergesellen.......... 140 528 Lehrlinge und Mädchen........ 101 062 Fabrikarbeiter in Nordwesten ..... 22 250 „ in Südwesten ...... 8 978 ,, im Süden........ 1 896 „ in Polen ........ 12 380 Taglöhner (darunter 12 901 Feldarbeiter) . 105 000 Summa 392 096 Da die Zahl der jüdischen Bevölkerung in der Tscherta in diesem Jahre 4 874 636 betrug, so machen die Arbeiter 8,04% der Gesamtbevölkerung aus; wenn man bloß die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in Betracht zieht (60% der Gesamtbevölkerung), sind es sogar 13,4%. Der Prozentsatz stimmt mit dem Prozentsatz der russischen Lohnarbeiterschaft unter der Gesamtbevölkerung Rußlands in derselben Zeit fast genau überein. Nach einer Berechnung des russischen Sozialisten Iljin („Die Entwicklung des Kapitalismus in Rußland", 1899, russisch) gab es um diese Zeit in Rußland auf 125 668 190 Personen Gesamtbevölkerung ca. 10 Millionen Lohnarbeiter, was einem Prozentsatz von 7,9 der Gesamtbevölkerung und von 13% der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter entspricht. Somit wäre der Prozentsatz des jüdischen Proletariats verhältnismäßig nicht kleiner, als der des russischen1). Schauen wir uns aber die Zahlen genauer an. Was uns zunächst an der Zusammenstellung des jüdischen Proletariats auffällt, ist der große Prozentsatz des Handwerkerproletariats (Gesellen und Lehrlinge zusammen über 60% der Gesamtzahl) und der geringe Prozentsatz der Fabrikarbeiter (kaum 11% der Gesamtzahl). Die Zusammensetzung der russischen Arbeiterschaft sieht dagegen ganz anders aus: *) Die Zahlen vergleiche sind der Schrift von Lanu: „Das jüdische Proletariat", Wilna, 1906 (jiddisch)" entnommen. Die Berechnung ist von verschiedenen Seiten auf ihre Genauigkeit hin angezweifelt worden, gibt aber doch in großen Strichen das richtige Bild wieder.