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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 574

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Kongressnotizen
Date
1923-01-01
Page
574 (sequence 5)
Language
German
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574 Moses Beilinson: zwischen dem politischenErfolge und der Aktionsfähigkeit d e r Z i o n i s t i s c h e n Organisation ist der wahre Schlüssel der heutigen inneren und äußeren Krise im Zionismus. Dieser Krise würde nicht im geringster abgeholfen, wenn der politische Erfolg noch weiter vergrößert würde, ohne daß auch die Leistungsfähigkeit der Organisation größer geworden ist. Würde es auch gelingen, mit Protestversammlungen die englische Regierung in London und in Jerusalem zu bewegen, der Zionistischen Organisation größere Rechte einzuräumen: das definitive Resultat könnte kein anderes sein als eine noch größere Enttäuschung und noch schwerere Krise — sei es nach 6 Monaten, sei es nach einem Jahre. Aber die diplomatische Offensive" kann auch heute nicht mehr gelingen. . Das abstrakte Recht, von keinem lebendigen Willen getragen, existiert nicht für die Welt, am wenigsten für die Welt der Diplomaten. Als 1917—1920 der Zionismus große politische Erfolge errang, geschah es nicht auf Grund der Volksdemonstrationen und des diplomatischen Druckes von Sokolow und Weizmann, sondern auf Grund des Glaubens, daß hinter diesen Volksdemonstrationen und hinter diesem Drucke der jüdische Tatwille, d. h. reale politische Kraft, sich verberge. Anders gesagt, waren diese Erfolge nur auf Grund eines Wechsels, den die Zionistische Organisation der Welt gab, möglich; dieser Wechsel ist bis jetzt nicht eingelöst, jedenfalls nicht in dem Maße eingelöst worden, wie es die Umwelt und die Zionisten selbst erwartet hatten. Man soll nicht vergessen: jeder Protest, jede Volksversammlung ist ein Versprechen (er kann auch eine Drohung sein, es ist aber bei unserer inneren und internationalen Lage, würdiger, über diese Möglichkeit gar nicht zu sprechen). Man kann nicht damit rechnen, daß den neuen Versprechen Gehör geschenkt wird, wenn die alten Wechsel noch nicht bezahlt sind. Das soll selbstverständlich nicht heißen, daß die schon errungenen Rechte und die Würde des jüdischen Volkes in Palästina nicht verteidigt werder sollen; die Stützpunkte dieser Verteidigung müssen aber anderswo, nicht in einer rein politischen Aktion, gesucht werden. Inzwischen ist dem Zionismus ein neuei Gegner in der organisierten arabischen Bewegung entstanden. Man kann es bedauerlich, ja verhängnisvoll finden, daß diese Bewegung für den Zionismus ein Gegner geworden ist; alles soll getan werden, damit die Gegnerschaft sich in Freundschaft verwandle. Heute ist aber diese Gegnerschaft eine Tatsache, die in der politischen Welt immer mehr wiegt; ihre Erfolge sind nicht zu verkennen. Worauf beruhen sie? Es wäre ein Irrtum, zu meinen — und in diesen Irrtum ist die Opposition verfallen —, daß die Erfolge der arabischen Gegner des Zionismus nur auf geschickter Propaganda beruhen und also mit Propaganda zu neutralisieren seien. Durch diese irrtümliche Voraussetzung erklärt sich ihre Forderung an die Leitung, die öffentliche Meinung Englands energischer „aufzuklären". Auch die öffentliche Meinung, nicht

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