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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 573

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Kongressnotizen
Date
1923-01-01
Page
573 (sequence 4)
Language
German
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Kongressnotizen 573 Arbeit im Zionismus und ihres Zusammenhanges, stand. Trotz der Schärfe des persönlichen Kampfes hätte der Kongreß von Anfang an hinter Weizmann einerseits und Ussischkin und Grünbaum andererseits zwei verschiedene, deutlich gekennzeichnete politische Systeme unterscheiden sollen. Die Notwendigkeit des 13. Kongresses bestand eben darin, daß diese zwei Systeme endlich, nach langem internen Kampfe, öffentlich gegeneinander gestellt wurden; seine Schwäche bestand darin, daß er bis zuletzt nicht den Mut hatte, zu wählen, und immer bestrebt war, entweder das Weizmannsche System zu verwerfen, aber Weizmann zu behalten (wie es bei der Abstimmung übrr das Absolutorium im Block der Linken und des Zentrums gegen den Misracbi der Fall war) oder das Weizmannsche System zu akzeptieren, ihm selber aber zwei Tage vorher das Mißtrauen auszusprechen (wie es der Misrachi in der Jewish Agency-Frage getan und damit, im Bunde mit dem Zentrum, dem Weizmannschen System zum Siege verholfen hat). Niemand bestritt auf dem Kongresse, daß die zionistische Lage äußerst schwer ist, sowohl in London wie in Jerusalem. Die Opposition war bestrebt, aus den politischen Mißerfolgen in London und aus der schweren Lage in Palästina das Hauptargument ihrer - Angriffe zu machen; Weizmann selbst kam ihr aber zuvor, indem er nicht nur die Schwere der Lage anerkannte, sondern gerade von ihr aus sein Erweiterungsprogramm ausgehen ließ. "Glicht darin also bestand der Streit, daß Weizmann Herbert Samuel mit Sympathie gegenüberstehe und Ussischkin und Glücksohn nicht, sondern darin, wie man aus der heutigen schweren Lage herauskomme, wie man den politischen Zionismus vor der Katastrophe bewahre. Ganz zu Unrecht hat Grünbaum Weizmann vorwurfsvoll an ihre Zusammenarbeit in der demokratischen Fraktion und ihren gemeinsamen Kampf gegen Herzl erinnert, denn in Wirklichkeit ist nicht Weizmann, sondern Grünbaum den Traditionen der demokratischen Fraktion untreu geworden. Was einst Herzl vorgeworfen wurde, das Befangensein in diplomatisch-politischen Illusionen, die Nichtbeachtung der Realitäten im Lande, der Glauben, daß politische Siege unabhängig von konkreter Arbeit nur durch die Proklamierung unseres guten Rechtes errungen werden können — das war auch das Heilmittel, das die Opposition dem 13, Kongresse empfahl. Sie webte ganz und gar im Geiste Herzls: Intensivierung der politischen Arbeit, stärkerer Druck auf die Regierung (mit Hilfe von Protestversammlungen und des ,,Schreiens"), „diplomatische Ofiensive". Es liegt uns fern, diese Mittel zu ironisieren oder zu mißachten und ihnen jeden Wert abzusprechen. Sie wurden vom jüdischen Volke oft benutzt, unter anderem, als es sich um die Sicherung der politischen Voraussetzungen der palästinensischen Arbeit handelte, und sie haben ihre Wirkung nicht verfehlt; man könnte fast behaupten, sie hätten eine zu große Wirkung gehabt, denn sie haben zu politischen Errungenschatten geführt, die in keinem Verhältnisse zur Leistungsfähigkeit der zionistischen Organisation, und auch, gestehen wir es ein, zur manifesten Stärke des palästinensischen Gedankens im jüdischen Volke stehen. Dieses Mißverhältnis

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