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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 10-11 · p. 567

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 10-11
Article
Der dreizehnte Zionistenkongress und die Zukunft des Zionismus
Date
1923-01-01
Page
567 (sequence 7)
Language
German
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Der dreizehnte Zionistenkongress und die Zukunft des Zionismus 567 Weizmann als Person, in seinen Fähigkeiten, in seiner Hingabe an den Zionismus, in seinen historischen Verdiensten um die Bewegung und auch in seiner aktuellen Bedeutung als eine der wenigen Führerpersönlichkeiten des Zionismus steht außerhalb der Debatte auch für diejenigen, die, wie ich, seinem Programm nicht zustimmen können. Hier spreche ich von dem Problem Weizmann, das zweifellos heute innerhalb des Zionismus existiert, und dessen Existenz vielleicht das deutlichste Symptom des ungesunden inneren Zustandes der Bewegung ist. Schon der Umstand, daß es neben allen anderen sachlichen und objektiven Problemen der heutigen zionistischen Lage ein solches Problem gibt, das den Namen des Präsidenten der Bewegung trägt, kennzeichnet das Ungesunde und Gefährliche dieses Faktums. Es liegt darin beschlossen, daß die zionistische Lage nicht mehr nur beherrscht ist, wie es natürlicherweise sein darf, von dem Willen und den Beschlüssen der zionistischen Organisation in ihren maßgebenden Instanzen, sondern daß zu diesem einen Element noch ein zweites hinzukommt, der Wille und die Entschlüsse Chaim Weizmanns. Anders gesagt: Weizmann ist in den letzten Jahren in eine Stellung hinaufgehoben worden, in der er sich nicht mehr als Teil und nur als Teil der zionistischen Organisation fühlt, sondern als eine der Organisation koordinierte und ihr beinahe übergeordnete Macht eigenen Rechtes. Ich bin der Letzte, der die Notwendigkeit führender Menschen in einer Volksbewegung bestreitet; jede gesunde Demokratie steht und fällt mit der Existenz von Führern, die die Stellung und die Kraft von Führern haben. Aber die notwendige Voraussetzung eines gesunden Führertums ist die restlose Einordnung des Führers in die Gesamtbewegung; ist das Bewußtsein des Führers, daß er nichts anderes sein darf als der erste Diener der Organisation, gewiß der erste, aber doch nur der Diener der Gesamtheit. Will man ein eindrucksvolles konkretes Beispiel solch wahren Führertums in der Geschichte des Zionismus haben, so denke man an Herzl, diesen größten aller Führer, die wir je gehabt haben, und der doch nie etwas anderes sein wollte als der primus inter pares, als Zionist gleich allen anderen Zionisten, der es nie geduldet hat, daß irgendwie sein Name und seine Person herausgehoben werde über die Namen oder Personen seiner Mitarbeiter, sondern streng darauf hielt — in allen Vertrauenskundgebungen, in allen Resolutionen usw. — ein Teil der Leitung der Bewegung zu sein und nichts anderes sonst. Weizmann hat nicht mehr diese natürliche, unbedingt notwendige Beziehung zur Bewegung. Wir sind selbst daran schuld durch die dauernden Ovationen, die wir ihm seit Jahren bereitet haben und, was verhängnisvoller war, durch die Verknüpfung aller Erfolge des Zionismus in den letzten Jahren mit seinem Namen. Es sind nur kleine, aber* sehr bedeutungsvolle Symptome dafür, daß seit Jahren alle Vertrauensresolutionen der Landesverbände und der Kongresse auf seinen Namen abgefaßt sind, daß der Begriff einer zionistischen Exekutive fast vergessen ist, und wir die Exekutive gewissermaßen nur als Helfershelfer Weizmanns zu betrachten uns gewöhnt haben. Eine solche falsche Behandlung hätte vielleicht auch

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