Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Der dreizehnte Zionistenkongress und die Zukunft des Zionismus
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 564 (sequence 4)
- Language
- German
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5*4 Nah um Goldmann: die Regeneration des Judentums, um die Reinigung des Volkes von der Fäulnis und von den Lastern seiner gegenwärtigen Lebensform und damit die Mobilisierung seiner Kräfte zum Aufbau Palästinas war nunmehr das entscheidende Zentrum unserer Arbeit, sondern das Schwergewicht ward auf die peripheren Teile unseres Wirkens gelegt: auf die äußere Politik im Sinne rein diplomatischer Methoden. Die Heranziehung außenstehender, innerlich uns fremder Kreise, die sogenannte Rationalisierung unserer wirtschaftlichen Tätigkeit in Palästina, mit einem Wort: der Versuch, durch Hilfe von außen das Werk zu vollenden, das wurde nunmehr die Leitlinie der zionistischen Politik und Wirksamkeit. Und damit geriet der Zionismus immer mehr fort von seinem Charakter als die große Renaissancebewegung des jüdischen Volkes,, und drohte mehr und mehr das Wesen der umfassenden jüdischen Volksbewegung zu verlieren, deren Ziel nicht schlechthin die Besiedlung Palästinas durch Juden ist, sondern der Aufbau Palästinas durch das regenerierte Volk und die Regeneration des Volkes durch den Aufbau des Landes. Die Verlegung des Zentrums der Organisation nach London, die es von dem pulsierenden Leben der jüdischen Volksmasse loslöste, der Zusammenbruch des russischen Judentums als des bisher wichtigsten Trägers der Bewegung verstärkte noch diese Tendenz; und immer stärker wurde die Gefahr, daß der Zionismus aufhöre, die Renaissancebewegung des Judentums zu sein und zu einer rein politisch und ökonomisch wirkenden Organisation für die Kolonisierung Palästinas werde. Nur wenige haben schon früh diese drohenden Gefahren der zionistischen Entwicklung gesehen und davor gewarnt. Die Majorität der Bewegung lebte in dem Glauben, daß sich innerlich nichts geändert habe und nichts ändern solle an dem Grundcharakter des Zionismus. Und als noch vor zwei Jahren einer dei wenigen konsequenten Köpfe des Zionismus, Brandeis, die neue Situation klar erfaßte und klar formulierte, und das Programm proklamierte: Zion, aber nicht mehr Zionismus! — da war die Kraft der zionistischen Tradition und der Instinkt für die Grundelemente der Bewegung noch stark genug, um die große Mehrheit der Bewegung zum Kampf gegen ihn zu bewegen und die energische Ablehnung seiner Formel zu ermöglichen. Einundeinhalb Jahre weiterer zionistischer Entwicklung haben genügt, um dieselbe Majorität in ihren Instinkten schwankend werden zu lassen. Derselbe Weizmann, der vor zwei Jahren noch an dei Spitze derjenigen stand, die Brandeis stürzten, kam zu diesem Kongreß mit einem Programm, das nichts anderes war als klarer und ungeschminkter Brandeisismus. Keine Galuthpolitik, keine Kulturarbeit in der Diaspora, kein Wort von den erzieherischen Aufgaben des Zionismus, kein Verständnis für den Ausbau der Organisation, sondern Beschränkung unserer Wirksamkeit lediglich auf die politische und ökonomische Arbeit in Palästina, und auch diese nicht durchgeführt durch die schöpferischen Kräfte des Volkes, sondern in erster Reihe durch die finanzielle Unterstützung der jüdischen Plutokratie, durch die politische Hilfe der englischen Regierung und die sachverständigen Direktiven nicht jüdischer Autoritäten. Dieser Weg von