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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 9 · p. 549

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 9
Article
Jüdische Archäologie und jüdische Kunstwissenschaft
Date
1923-01-01
Page
549 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Jüdische Archäologie und jüdische Kunstwissenschaft 549 von der allgemeinen Einstellung zu dem, was als Kultur angesehen wird, und kann wohl nie entschieden werden, da der Standpunkt des Beschauers natürlich auch das entstehende Bild beeinflussen muß. Jedoch vertritt die Wissenschaft heute mehr als früher die These, daß eine kulturelle Entwicklung nicht von allgemein gültigen Symptomen abhängt und keineswegs kontinuierlich zu sein braucht, sondern nur nach dem inneren Verhalten einer Nation beurteilt werden kann. .Demzufolge darf man aber auch für die Juden von einer besonderen jüdischen Kultur reden, ohne diese dadurch irgendwie bestimmen zu können oder zu wollen. Gibt es eine jüdische Kultur, so muß, wenn nicht ein jeder empirischen Wahrnehmung entgegengesetzter Zustand künstlich vorausgesetzt wird, auch die Möglichkeit einer jüdischen Kunst vorhanden sein, deren Entfaltung von den ihr gestellten Aufgaben, deren Blüte von der allgemeinen Entwicklung der Kunst im Kulturkreise abhängt. Für die Denkmälerkunde müssen wir also alles, was inhaltlich, d. h. der Aufgabe nach, jüdisch ist, zusammentragen und diese Objekte auf die besondere Note der jüdischen* Kunst hin untersuchen. Dabei laufen wir Gefahr, Aufträge, die von Nichtjuden ausgeführt oder aber traditionslos von Juden oder Nichtjuden hergestellt sind, mit in den Bereich unserer Stilkritik zu bekommen, wenn wir nicht durch besondere Umstände auf diese Fehlerquelle aufmerksam werden. (Z. B. durch literarische Quellen, Inschriften usw.) Besonders leicht müßte diese Aufgabe in der Epoche sein, in der wir eine herrschende Stellung der jüdischen Kultur vermuten dürfen und demgemäß auch die besondere Note jüdischer Nationalkunst finden könnten. Nehmen wir das letzte vorweg, und gehen wir davon aus, daß der engere Kulturkreis der Juden Kleinasien ist und zwar dort wieder Syrien, so ergibt sich für das Altertum jene Epoche, die innerhalb der sog. hellenistischen Kunst den syrisch-hellenistischen Stil schafft. Dieser ist tatsächlich im weiteren Kulturkreis des Mittelmeers herrschend, und hier hätten wir wohl die am leichtesten zu fassenden nationalen Besonderheiten zu suchen. Stellen wir Judäa richtig zwischen Alexandria, Petrea und Nordsyrien und Antiochien gegen Armenien, so haben wir damit die kulturgeographische Strecke und Straße des Kunstwollens, innerhalb deren das Nationaljüdische sich finden müßte und innerhalb der tatsächlich, solange diese Frage nicht geklärt ^t, immer eine Lücke in der Kunstforschung bleiben wird. So wichtig die Frage einer Stilkritik mit Hinblick auf die jüdische Kunst ist, so wenig wird sie sich, wie die Dinge heute liegen, entscheiden lassen. Stilkritik ist zwar eine letzte, wichtige Aufgabe der' Kunstforschung, aber eben erst eine letzte und darf niemals die Bedeutung der Denkmälerkenntnis hindern. Der Unterschied zwischen Archäologie und Kunstgeschichte ist systematisch zwar nur eine Frage größerer Heranziehung philologischer Hilfsmittel, chronologisch dagegen eine Unterscheidung der Kunstforschung im Altertum und in der späteren Zeit; in diesem Sinne wird es auch hier gebraucht werden.

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