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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 9 · p. 521

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 9
Article
Zwei Eiferer
Date
1923-01-01
Page
521 (sequence 5)
Language
German
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Zwei Eiferer mensch und etwas hart gegen die, die ihn nicht verstanden, aber ein treuer und hingebender Freund denjenigen, in denen er glaubte, Geistesverwandte zu finden. Er war ein geborener Lehrer» In seinem Verhältnis zu Jüngeren war er eifersüchtig besorgt um seinen Einfluß, stets bereit, zu erziehen, zu lehren, aufzuklären. Und wenn er auch nicht diejenigen verschmähte, die „zwischen den Mauern"1) geboren waren, indem er in jedem Juden lebendigen Stoff zum Bau der Zukunft sah, so war seine ganze Aufmerksamkeit doch auf die kommenden Geschlechter gerichtet. Auch damals schon, als in ihm noch viel vom Maskil und Nihilisten russischen Stils steckte, hatte er erkannt, daß nur eine völlige Umwandlung im Leben des Menschen die Erlösung bringen könne. Er war seinem ganzen Charakter nach ein Chaluz. Er gehörte zu denjenigen, diesich ganz geben und mit ihrem eigenen Leben die Brücke zur Zukunft schlagen. Er verlangte von sich und den andern diesen einen Sprung. Er gehörte zu den Zauberern,, die allein den Abgrund erschließen. Bei all dem saß er doch noch langeZeit über den Büchern des Barons. Auch er, der nie einen Unterschied machte zwischen Gedanken und Tat, konnte nicht sofort der Galuthpassivität Herr werden. Und erst als sein Tag sich zum Abend neigte, in der Stunde, wo andere Schluß machen, begann er. Darin liegt etwas von jenem Heldentum, zu dem nur besondere Menschen befähigt sind. Das beweist wieder, daß nur der Gedanke ewige Jugend besitzt und daß nur eine große Sehnsucht vor dem Alter bewahrt und schützt. Wer Gordon bis zu seinem letzten Tage gekannt hat, weiß, wie sehr das ohne jede Übertreibung gilt. Auch als schon die Sichel des Todes über ihm hing, war noch ein lebendiges Sprießen in seinem Geist. Das Alter gab ihm nur mehr Ruhe, mehr Klarheit, aber ein Rückgang war an ihm nicht wahrzunehmen. Doch in all seinem fast asketischen Idealismus war er keineswegs ein Schwärmer. Wie bei Achad Haam, mit dem er, bei allem Gegensatz der Anschauungen, doch etwas Gemeinsames hat in dem Aufbau seiner Weltanschauung und in deren ganzer Architektonik, war seine Lehre ohne jede Illusion, ohne grandiose Scheingebäude. Er war Realist und glaubte nur an das wenige Ganze, an den gesunden Kern. Man braucht nicht zu betonen, daß er nur Wert legte auf die innere Bildung des Menschen, gar nichts von der großen Politik hielt und der Parteibildung aus sittlichen und noch mehr aus realen Gründen widerstand: er glaubte einfach nicht, daß sie irgend einen Wert hätten. Er glaubte nur an Taten, in denen sich eine wahre vitale Kraft offenbare; er glaubte nur, wie er es nannte, an den Lebenstropfen. Das Galuth bedeutete ihm vor allem eine Dekadenz des Willens, eine m der Luft hängende Geistigkeit, die sich nicht in Taten verwirklicht, ja gar nicht einmal nach Verwirklichung strebt. Im Galuthjuden sah er einen verweichlichten, von Grund aus schadhaften Menschen, weil bei ihm das wanre *>d. h. am Tore, am Eingang der Stadt Nach einer sehr Wf^^^jEÄ fl Jochebed, die Mutter des Moses, „zwischen den Mauern", gerade beim Einzun A^ten geboren worden sein. - Ein treffender Ausdruck für die alte, aber ini die zuKun schauende Generation. A '

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