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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 9 · p. 520

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 9
Article
Zwei Eiferer
Date
1923-01-01
Page
520 (sequence 4)
Language
German
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520 Jakob Fichmann: einen hebräischen Jargon schaffen wollte. Er war überzeugt, daß die hebräische Sprache nur in dem Maße, wie sie von allen lebenden Sprachen beeinflußt werde, die unteren vulgären Sprachschichten aufnehmen, die vitalen Kräfte in sich einsaugen und bei der großen Masse bestehen könnte. Und wer weiß, vielleicht wäre für eine lebendige Sprache auch das ein Weg. Die verdaut alles; aber bei uns steht die Sache beinahe umgekehrt. Wir zwingen uns zum Hebräischsprechen, nur um die Kultur zu hüten und ihre Güter zu bewahren. Ein verderbtes, kulturloses Hebräisch wird niemals ein Schutz gegen das Auseinanderfallen der Nation sein; die besteht nur durch die geistigen Schätze, die uns geblieben sind. Dieses Licht zieht nicht nur die Nahen an, von seiner Berührung leben auch die Fernen. Was soll uns ein Hebräischsprechen helfen, das — dem kulturellen Boden entrissen — stets wurzellos und armselig bleiben muß. Ja noch mehr, dieses Hebräisch kann sogar Entfremdung und Verachtung erregen. Gerade diejenigen, die es sprechen, werden es verachten müssen, wenn sie einer großen, fremden Kultur begegnen. Für eine Sprache, an der nichts ist von der Schönheit schöpferischer Zeiten, können wir nichts übrig haben. Wir sind bereit, auf die fremde Kultur unserer eigenen zuliebe zu verzichten, aber wir sind dazu nur imstande, wenn diese Kraft und tiefe Verwurzelung besitzt. Das Hebräischsprechen nach den Grundsätzen Ben Jehudas aber muß zum Untergang der hebräischen Kultur führen: auf ihrem Grabe wollte er seine Idee begründen. Diesen Weg können wir nicht gehen. Sollte wirklich die Richtung Ben Jehudas, die noch heute (allerdings wenige) Anhänger hat, siegen, und das moderne Neuhebräisch unserer Sprache all ihren Adel rauben und sie ihrer hohen Kultur entleeren — wer weiß, ob wir dann durch diesen großen Umschwung, von dem wir so viel für die Erhaltung und Aufrichtung unserer gefährdeten Kultur erhoffen, nicht mehr verlieren als gewinnen. 3- Wenn mir Ben Jehuda erst mit der Zeit näher gekommen und verständlich geworden ist, sobald ich mir nämlich vorhielt, daß man nicht erziehen und keinen dauernden Einfluß ausüben kann ohne die ganze Schwere rücksichtsloser Konsequenz, selbst mit etwas Überspanntheit dabei, und sobald ich mir klar machte, daß eine große Tat im Leben alles sühnt, sühnen muß — so hatte der bloße Namen Gordons für mich eine anziehende und erhebende Wirkung, schon lange bevor ich nach Palästina kam. Von meiner Frau, die zusammen mit seiner Tochter in einem kleinen Städtchen in Podolien erzogen und ganz unter seinem Einfluß groß geworden war, waren mir viele Einzelheiten aus seinem früheren Leben bekannt, auf Grund deren ich den Mann und seine Art zu leben kennen lernen konnte. Schon damals, als er Beamter beim Baron war, zeichnete er sich durch seinen entschiedenen, keinen Kompromiß zulassenden Charakter und seine grausame Logik aus, mit der er die Juden der Umgebung, die niemals gewohnt waren, ,,bis zu Ende" zu denken, in Aufregung brachte. Er war ein Willens-

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