Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zwei Eiferer
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 518 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jakob F ic hm an n: sönlichkeit Tausende junger Menschen an. Der andere gehörte zu den Leuten, die Mal für Mal ihr eigenes Verdienst in Erinnerung bringen; er war ein Mensch, dem seine Idee zu schwer war, den sie zu Boden drückte, wie das immer geschieht, wenn ein Gedanke größer ist als sein Träger. Die Lehre eroberte sich die Herzen, auch wenn man mit ihrem Verkünder auf Kriegsfuß stehen mußte. In Ben Jehudas Leben und Wirksamkeit gibt es nicht wenige Tatsachen, von denen jede einzelne hinreichte, um einen ewigen Schatten auf ihn zu werfen: aber eine kämpfende, charaktervolle und willensstarke Persönlichkeit war er trotz alledem. So ward man denn auch unwillkürlich und immer wieder angezogen von einem gewissen Zauber, der ihn und sein Werk umgab. Er wurde uns zu einer romantisch-historischen Persönlichkeit, schon als er noch unter uns lebte. Und wenn wir ihm auch nicht verzeihen können, was er verbrochen hat, vor allem nicht die Schmach der „gelben" Journalistik, die noch heute alles Gute im Jischuw verdirbt, so wissen wir doch in der Tiefe unseres Herzens, daß gegen ihn keine Waffe nützt und daß alles Schlechte, das er verursachte, dem Ewigen, das er uns gebracht hat, nicht gleichkommt. Und nun, wo nur der Schatten beider Männer noch uns von ferne leuchtet, nun kann man sagen, daß sie, so weit voneinander und verschieden als sittliche Erscheinungen sie gewesen sein mögen, doch die größten Chaluzim des Jischuw waren, die uns bis heute erstanden sind, und daß ohne sie der ganze Gedanke des Jischuw ein leerer Schall geblieben wäre. Sie legten nicht die Ecksteine, sie waren selber Ecksteine; sie stützten nicht die Grundlagen, sie schufen sie. Beide ließen durch ihre einfachen, zwingenden Gedanken in einem großen historischen Augenblick die Wage nach der Seite der Ewigkeit ausschlagen, und darum wurden sie die Schöpfer der großen nationalen und menschlichen Werte, ohne die all unsere geistige und kolonisatorische Arbeit zur Erfolglosigkeit verurteilt wäre. 2. Ich beginne mit dem, der mir ferner steht, mit Ben Jehuda. Ich gehörte niemals zu seinen Verehrern. Als geistiger Typus war er mir völlig fremd. Ich liebte niemals die, „die sich ihrer heiligen Würde bedienen*Absolut fern war mir auch seine Methode. Seiner philologischen Tätigkeit stand ich stets durchaus negativ gegenüber. Mit der Zeit allerdings verstand ich seine Methode und rechtfertigte sie mir auch in einem gewissen Maße, aber bis heute sehe ich die große Gefahr, die uns von ihr droht. Und wenn wir ihr auch heute die gute Seite abzugewinnen suchen, werden wir trotzdem nicht aufhören, gegen sie zu kämpfen, sowie sie sich wieder bei uns zeigen wird. Ans Hebräischsprechen müssen wir unsere besten Hoffnungen knüpfen, aber mit all unsern Kräften werden wir kämpfen gegen den Verderb der hebräischen Kultur, gegen den Verderb der Sprache, die in ihrem Gefolge erscheinen. Ben Jehuda hatte eine bestimmte, konsequente Theorie, die den meisten unserer Begriffe über eine gesunde und normale kulturelle Entwicklung widerspricht; er war in einem gewissen Sinn der Antipode von Achad Haam