Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zwei Eiferer
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 517 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jakob Fichmann; Zwei Eiferer 517 JAKOB FICHMANN / ZWEI EIFERER ) I. In kaum mehr als einem Jahre hat Palästina zwei Männer verloren, die den größten und fühlbarsten Einfluß auf das Leben des Jischuws hatten, zwei Männer, die — man kann es ohne Bedenken sagen — nicht ihresgleichen hinterlassen haben: Elieser Ben Jehuda und A. D. Gordon. Der Tod dieser beiden war ohne Zweifel ein nicht weniger großer Verlust für das Land als alle politischen und selbst kolonisatorischen Mißerfolge der letzten Jahre. Diese beiden waren zwei Mandaten auf unsere menschlich, nationale Wiederbelebung gleich; Mandaten, die nicht abhingen von der Gunst irgendwelcher Parlamente oder irgendwelcher Friedensverträge. Der eine gab seinem Volke die Seele seines nationalen Lebens, die verlorene Sprache wieder,und der zweite arbeitete daran,ihm die Würde des menschlichen Lebens wiederzugeben, in ihm die Erkenntnis zu pflanzen, daß eine Auferstehung der Nation ohne ein schöpferisches Leben, ohne ein Leben der Arbeit undenkbar sei. Beide wollten nicht nur eine Lehre verkünden, sondern verwirklichten vor allem ihre Lehre im eigenen Leben, Der eine opferte sich für das gesprochene Hebräisch zu einer Zeit auf, wo er noch vereinzelt mit seinem Gedanken und allein mit der Verwirklichung stand, unter Tausenden von Barbaren und Nörglern in Jerusalem, die in seiner Bestrebung ein tödliches Gift für ihre eigene bequeme Existenz ahnten und ihn lange Zeit befeindeten — ohne .ihn besiegen zu können. Und der zweite verließ, als bereits fünfzigjähriger Vater eines Sohnes und einer Tochter, nach vielen Jahren des Lebens eines ruhigen jüdischen Intellektuellen, das er als Beamter auf einer Besitzung des Barons Günzburg in Podolien und als gelegentlicher Mitarbeiter an jüdisch-russischen Zeitschriften geführt hatte, diese ganze wohl geordnete Existenz und wurde Arbeiter in Palästina — um am Ende seiner Tage von der Arbeit seiner Hände, von „wirklicher Arbeit" sich zu ernähren und so endlich seine Sehnsucht nach einem rechten Leben zu verwirklichen. Bei all dem gewaltigen Unterschied, der zwischen diesen beiden Männern bestand, wenn man jeden von ihnen als sittliche Erscheinung betrachten will, war doch soviel Gemeinsames in ihrem Schicksal, daß man sie jetzt nach ihrem Tode schwer voneinander trennen mag. In ihrem Leben hätte ich vielleicht nicht gewagt, sie so nebeneinander zu stellen. Der eine war ein Adelsmensch, das Idealbild eines Lehrers und Freundes, keusch, rein und einfach, ein Mensch, der sich im Stillen trennte von dem Leben der Gesellschaft und in der Freude der Arbeit den einzigen Weg zu edlem Menschentomfand, die einzige Möglichkeit, sein Leben zu rechtfertigen und seinePflicht zu erfüllen gegenüber Erde und Himmel. Er war selbst der leuchtendste Beweis für seine Lehre und zog in seiner abgerundeten, folgerichtigen Perl) Übersetzung aus dem in der Zeitschrift „Hat'kuphah" erschienenen Original, das der Autor mit dem Ersuchen um Veröffentlichung in deutscher Sprache zur verfugung gestellt hat.