Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Völker und die Juden
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 502 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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502 Alfons Paquet: Die Völker und die Juden wird, sondern eine Gemeinschaft, die Stämme, Sekten, Anschauungen, Landsmannschaften unter dem Dach des einen Tempels sammelt und in sich ein Stück der homogenen Menschheit ist. Über allem Zeitlichen und auf die Dinge des Weges Bezogenen,, das sich in der Politik des Zionismus ausspricht und den Zionismus überhaupt zur Politik macht, steht doch die Möglichkeit, die Linie des Perikles, des Augustin, des Comenius, des William Penn fortzusetzen; die Aufgabe des jüdischen Staatsmannes erscheint als die geistigste unter allen staatsmännischen Aufgaben der Welt, sie führt geradeswegs zur Amphiktyonie, sie setzt an die Stelle des menschlichen Oberhauptes den Namen Gottes. Die Bausteine zu dem neuen Staate liegen unbehauen umher, aus Zusammenbrüchen gelockert, aus Verwerftangen übrig geblieben. Von dem heterogenen Staat, der die Völker sammelt, erscheint das zionistische Werk als ein Vorzeichen, zuweilen als eine ganz unbeholfene, blasse Skizze. Einerlei, er kann garnichts anderes als ein Stück von einem Anfang sein. Der Jude ist weniger als die Völker der Gefahr ausgeliefert, den Einfluß eines Gedankens nach der Zahl seiner Bekenner abzumessen. Das Geschwätz, das den Weg des Judentums durch die Völker begleitet, wechselt nach den Konstellationen. Ist der Weg notwendig, so reihen sich seine Abschnitte rasch aneinander, jeder einzelne ohne Bestand, alles ein Übergang wie die Zeit selber; auch die Vielheit der Völker besteht ja nur in der Zeit, aber ohne sie wäre jedes einzelne ohne Dimensionen. Die Gegenwart offenbart.die Relativität auch der mächtigsten Staaten; wie lange noch, so wird jedes einzelne Volk gezwungen sein, den Gedanken seines Staates noch einmal zu denken und das Seiende mit allen seinen Fiktionen in die bare Wirklichkeit umzuschmelzen. Wir kennen nicht die Bedeutung des jüdischen Weges unter den Völkern, aber in den Wirrnissen des europäisch-christlichen Geschichtsabschnittes ging die Möglichkeit zur messianischen Bedeutung dieses Weges nie verloren. Handelte es sich bei der Rückwendung nach Palästina nur darum, eine Machtstelle aufzurichten, die etwa der des Vatikans oder einer der großen Logen entspricht, so hätten jene Recht, die sagen, daß es dazu des Opfers der Armen nicht bedürfe; solche Ziele seien auch zu erreichen ohne das gefährliche, fast aussichtslose Werk der Wiederaufrichtung. Handelte es sich nur um eine neue Festigung des jüdischen Volkes in seinem Ausgesondertsein, in seiner „schwebenden Sendung", so hätten jene Recht, die sich' in der Treue zum Gesetz genügen und die Geschäftigen verdammen. Aber es handelt sich nicht um die Macht, sondern um den Frieden. Es handelt sich im Zionismus nicht um den alten Ausschluß, sondern um einen Aufbruch, um den Gehorsam der Einzelnen. Den erblindenden und frierenden Völkern strahlt aus dem jüdischen Glauben, der zur Tat wird, bereits etwas wie die Helligkeit eines wirklichen Lebens, wie der Klang einer höheren Bestimmung. Für den Juden gibt es vor den fatalen Dingen seines Weges keine Rettung durch die Hinwendung zu den Völkern und im Aufgehen tinter ihnen. Es gibt für den Juden nur die Hinwendung zum Judentum in seinem umfassenden Leben, in seiner ganzen