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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 9 · p. 503

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 9
Article
Die Völker und die Juden
Date
1923-01-01
Page
503 (sequence 7)
Language
German
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Arjeh Tartakower: Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus Nüchternheit; dieses umfassende Leben, diese jüdische Nüchternheit wird auch der Seele der Völker aus ihrem, heidnisch-christlichen Gemisch zur Entscheidung helfen können. Den Juden sagte es der Seher, daß zuletzt Fischer sie mit Angeln locken und Jäger sie treiben werden. Der Zionismus, das sind die Fischer, die leisen Dinge der Fremdheit und die lauten Sachen der Feindschaft draußen, das sind die Jäger. Zwischen den Völkern und den Juden bereitet sich eine Begegnung vor, die schrecklich ist, zugleich aber auch eine andere, die jenseits der Schrecken ist. Seht doch, wie Ruth und Boas sich auf dem Boden des gemeinsamen Glaubensgrundes begegnen, des Messias im Reiche Gottes. Es wäre sicherlich für die Völker ein Weg zur Rettung, wenn sie aus dem Judentum, das in seinem Lande die Ganzheit der Seele zurückempfing, die Botschaft noch einmal vernehmen und sie besser hören wollten als bisher. ARJEH TARTAKOWER / ZUR GESCHICHTE DES JÜDISCHEN SOZIALISMUS I. Der jüdische Sozialismus vor der Entstehung des „Bund". Die Absicht, eine Geschichte des jüdischen Sozialismus und seiner ideologischen Grundlagen zu schreiben, erfordert unter den heutigen Umständen viel Wagemut und Entschlossenheit. Erstens einmal ist der Terminus »Jüdischer Sozialismus" bis zum heutigen Tage kein klarer und fest umrissener. Sodann gibt es in der Wirklichkeit keinen einheitlichen jüdischen Sozialismus. Viel mehr als bei den anderen Völkern ist die sozialistische Bewegung unter den Juden zerklüftet in äußerst zahlreiche Parteien und ideologische Richtungen, eine Tatsache, die wohl in der Hauptsache auf die anormale Lage des jüdischen Volkes, anderseits aber auch auf die starke Entwicklung der nationalen Bewegung unter den Juden seit den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts zurückzuführen ist. Und schließlich muß noch daran erinnert werden, daß es auf dem Gebiete der Geschichtsschreibung des jüdischen Sozialismus an umfassenden und bedeutenderen Vorarbeiten noch sehr mangelt, was den Historiker immer wieder zum mühseligen Zurückgreifen bis auf die ersten Quellen zwingt, ihn auf längst verschollene Zeitschriften, Aufsätze, Proklamationen, Notizen verweist und ihn wohl in vielen Fällen, wo kein anderer Ausweg zu finden ist, zur Einholung von Rat und Aufklärung bei denen zwingt, die an der Entwicklung der Bewegung aktiven Anteil genommen haben und manches anzugeben vermögen, was sonst bis auf. den heutigen Tag nirgends zu finden ist. So gilt es denn auf diesem Gebiete mühselig und

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