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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 492

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Date
1923-01-01
Page
492 (sequence 4)
Language
German
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492 Umschau: Jüdische Wissenschaft großen Umkreis der Disziplinen, aus denen sich die jüdische Wissenschaft zusammensetzt, konnte nur an einzelnen Stellen mit der Arbeit eingesetzt werden. Allein in weichem Sinne gearbeitet wird, dürften auch diese Anfänge zeigen. Von den Abteilungen, aus denen sich das Forschungsinstitut nach seinem Ausbau einst zusammensetzen soll, sind die thalmudische und die historische bereits mit Arbeiten hervorgetreten. Die thalmudischen Publikationen suchen in den literarischen Charakter der ältesten Werke der thalmudischenLiteratur, der Mischnah und der Tosseftah, einen klareren Einblick zu gewinnen und die älteren diesen Fragen gewidmeten Forschungen systematisch auszubauen und fortzuführen. Diese mehr formalenUntersuchungen,die noch weiter verfolgt werden sollen, sind auch für das sachliche und inhaltliche Verständnis des Thalmuds unerläßlich. Die weitere Arbeit soll sich indessen auch den inhaltlichen Problemen möglichst bald unmittelbar zuwenden und vor allem das zentrale Gebiet des jüdischen Rechts in Angriff nehmen. Die erste historische Veröffentlichung der Akademie hat ein, äußerlich gesehen, sehr begrenztesThema. Sie betrifft „das Protokollbuch der Landjudenschaft des Herzogtums Cleve". Allein das Material, das der Forschung hier erschlossen wird, geht in seiner Bedeutung weit über das begrenzte Lokalinteresse heraus, das dem Thema anzuhaften scheint. Wir können hier einen tieferen und unmittelbareren Einblick als bisher in die typischen Verhältnisse des jüdischen Gemeindelebens vor der Emanzipation gewinnen und den noch wenig erforschten, aber außerordentlich wichtigen Fragen nach der rechtlichen und sozialen Struktur der jüdischen Gemeinde ein gut Teil näher kommen. Eine jüngst veröffentlichte kleinere Studie beschäftigt sich mit einem der interessantesten historischen Werke des ausgehenden Mittelalters, dem vielgelesenen „Schebet Jehuda" des Salomo ben Verga. Neben ihrem unmittelbaren Interesse ist sie wichtig als Vorarbeit für ein jetzt begonnenes zusammenfassendes Werk, das die Geschichte der Juden in den christlichen Staaten Spaniens, insbesondere unter sozialgeschichtlichem Gesichtspunkt, behandelt. Von einem großen Werk „Der preußische Staat und die Juden", welches das ganze Aktenmaterial über das Verhältnis des preußischen Staates zu den Juden von ihrer Wiederaufnahme unter dem großen Kurfürsten bis zu ihrer Emanzipation erschließt und in einer begleitenden Darstellung erläutert, liegt der erste Band druckfertig vor. Die Bedeutung der «Arbeit für die Geschichte der Juden in Deutschland ist ohne weiteres klar. Darüber hinaus aber gibt sie die Möglichkeit, den Entwicklungsprozeß, der zur Judenemanzipation führt, in seinen verschiedenen Phasen zu überschauen und diese wichtigste Tatsache der neueren Geschichte des Judentums in ihren geschichtlichen Zusammenhang ein- * zuordnen. Von den übrigen Abteilungen des Forschungsinstituts hat die philosophische ebenfalls mit ihrer Arbeit begonnen. Sie will die Klassiker der mittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophie in deutschen Übersetzungen herausgeben und dadurch sowohl der jüdischen Öffentlichkeit wie dem nicht jüdischen Gelehrtenkreise diese wichtige Phase in der Entwicklung jüdischen Denkens und jüdischer Frömmigkeit zugänglich machen. Die Übersetzungen werden von einer Reihe von Studienheften begleitet werden, welche die behandelten Werke philologisch und philosophiegeschichtlich untersuchen. Daneben bereitet die Akademie eine Ausgabe aller das Judentum betreffenden Aufsätze und Abhandlungen Hermann Cohens vor. Es ist ein Akt produktiver Dankbarkeit, den sie damit ihrem Begründer erweist; denn in der geschlossenen Einheit, in der hier das jüdische Lebenswerk Hermann Cohens sich darstellt, wird es eine neue eingreifende Wirkung ausüben. Das letzte Gebiet, von dem noch mit einem Wort die Rede sei, ist das des Midrasch. Hier hat die Akademie sich eines schon seit langem in der Durchführung begriffenen Werkes, der ersten wissenschaftlichen Ausgabe des Midrasch Bereschith, Rabba angenommen, indem sie den Herausgeber, Rabbiner Dr. Theodor, unter ihre Mitarbeiter aufgenommen und ihm dadurch die Möglichkeit zur Beendigung seines Lebenswerkes geschaffen hat. An die philologische soll sich später eine geistes- und religionsgeschichtliche Bearbeitung des Midrasch und der Aggada anschließen, welche die Ideenwelt der Aggada in ihrer Entwicklung verfolgen und die ihr zugrunde liegenden religiösen Motive herausarbeiten soll. Unter schwierigsten Verhältnissen hat das deutsche Judentum die Grundlagen zur Akademie geschaffen. Von Deutschland, das seit Begründung der jüdischen Wissenschaft

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