Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 493 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau: Moderne hebräische Literatur 493 «in Zentrum ihrer Arbeit war, geht auch dieser Versuch zu ihrer Erneuerung aus. Aber von Anfang an ist die Akademie als eine allgemein jüdische Angelegenheit gedacht. Allgemeinjüdisch nach der Aufgabe, die sie sich gestellt hat, wie nach den Kräften, die sie tragen sollen. Um ihre Veröffentlichungen der ganzen jüdischen Welt zugänglich, zu machen, ist von Anfang an in Aussicht genommen worden, sie nicht nur in deutscher, sondern auch in hebräischer Sprache erscheinen zu lassen, und es wird hoffentlich nicht allzulange dauern, bis dieser Plan verwirklicht werden kann. Seit ihrer Begründung war sie auch bemüht, die Teilnahme der jüdischen Gelehrtenwelt des Auslandes für ihre Arbeit zu gewinnen, und bereits heute gehört eine stattliche Zahl führender Männer der jüdischen Wissenschaft aus den verschiedensten Ländern ihrer Leitung an und läßt ihr Rat und Förderung zuteil werden. Auch in die jüdische Öffentlichkeit des Auslandes ist der Gedanke der Akademie gedrungen und hat in ihr wertvolle ideelle und materielle Förderung gefunden. Aber noch hat sie die breite und sichere Grundlage nicht gewonnen, deren sie zu ihrer Entfaltung bewarf. Auch in ihrem bisherigen engen Rahmen ist ihre Zukunft nicht gesichert. Um ihre Aufgabe zu erfüllen, wird sie aber diesen Rahmen erweitern und sich nach allen Seiten hin entfalten müssen. Nur wenn ihr opferwillige Unterstützung die Möglichkeit hierzu gewährt, wird sie über das Gebiet bloßer Fachgelehrsamkeit hinauswachsen und dazu beitragen können, die Wissenschaft zu einer schöpferischen Kraft im Aufbau des jüdischen Geistes werden zu lassen. Julius Guttmann MODERNE HEBRÄISCHE LITERATUR David Frischmann (Zur Charakterisierung seiner literarischen Tätigkeit.) Die schmächtige, etwas gebückte Gestalt niit dem klugen, leicht gebräunten Gesicht und den schwarzen Augen, die stets prüfend hinter der goldenen Brille hervorleuchteten; das feine ironische Lächeln, das stets um <Ien leidenschaftlichen Mund ruhte, mitunter aber in ein gutmütiges, beinahe kindliches Auflachen sich entlud und wie mit einem Netz das ganze Gesicht mit feinen Fäden überzog — diese Gestalt, die man häufig auf Kulturkonferenzen und sonstigen größeren jüdisch-literarischen Versammlungen beobachten konnte, wie sie schweigend, beinahe teilnahmslos irgendwo unter den „gewöhnlichen" Delegierten dasaß, oder in den Wandelgängen mit Bekannten Unterhaitungen pflog, während „drinnen" heiß gekämpft werden konnte, — wer wurde nicht in Erstaunen versetzt, als er erfuhr, daß es Frischmann war. Es schien geradezu unfaßbar, David Frischmann nicht an oberster Stelle zu sehen, den großen Meister im Hintergrunde, unter der „Menge" oder abseits zu finden. Diejenigen aber, die ihn näher kannten, wußten, wie ihm bei solchen Gelegenheiten zu Mute war, wie schwer es ihm fiel, selbst nur Beobachter oder Zuschauer zu sein. Denn er war allzu kritisch veranlagt, als daß er hätte glauben können, es werde auf solchen Konferenzen etwas für die Literatur geleistet, und sei es auch nur die Förderung irgend welcher praktische Entwürfe, die zur Entwicklung des Schrifttums beitragen könnten. Er sah bei solchen Gelegenheiten nichts als naive, weitabgewandte Schwärmerei und bewußte Phraseologie. Für die erste hatte er sein gutmütigironisches Lächeln, gegen die zweite seinen bissigen Humor. Hier aber war er ihr Gast, und wollte die Freude der andern nicht stören; er saß schweigsam da oder suchte Zerstreuung in Privatgesprächen. Bezeichnend für diese seine Haltung ist die folgende Anekdote, die Frischmann in einem Aufsatz über die „Berliner hebräische Kulturkonferenz" erzählt: er habe während der ganzen Tagung nur ein Wort öffentlich gesprochen und zwar das Wort „für", und auch das nur, weil er dazu gezwungen war. Es wurde nämlich über eine Frage namentlich abgestimmt. Er hätte zwar ebenso gut dagegen stimmen können, war er doch überzeugt, daß die Entscheidung keinen praktischen Wert haben würde; da aber das Wort „für" kürzer als „gegen" sei, habe er es vorgezogen. Aber nicht nur bei solchen außerordentlichen Anlässen, sondern auch in seinem Alltage, am Schreibtische oder in der Redaktion gab er sich keiner Täuschung hin. Hier stand er zwar im Mittelpunkte des Geschehens, im Wirbel aller Bewegungen und nahm Stellung für das eine, bekämpfte das andere. Aber auch hier konnte er kaum seine Zwetfel