Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Kritische Übersicht über die neuere Literatur [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 487 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau: Bibelwissenschaft 487 Heistern wetteifern darf. Seine Übersetzung ist dadurch jüdisch, daß sie einen möglichst genauen Anschluß an das Original erstrebt. Wenn die Pentateuchübersetzung Mendelsohns mehr Gewicht auf Korrektheit des deutschen Ausdrucks legte, so durfte sie das, weil sie sich auf den begleitenden Kommentar verlassen konnte. Dieser ist im Judentum immer wichtiger als die Übersetzung gewesen. Dem Juden ruft jede neue Übersetzung nur immer wieder zu: lerne Hebräisch! Schöpfe aus der Quelle! Kein Jude sollte für gebildet gelten dürfen, der seine heilige Schrift nicht in der Urschrift zu lesen vermag. Otto Eißfeldt (Prof. Dr. D., Halle): Hexateuch-Synopse1). Über Anlage, Inhalt und Art dieses Werkes gibt bereits der ausführlichere Titel Aufschluß, indem er fortfährt: „Die Erzählung der fünf Bücher Mose und des Buches Josua mit dem Anfang des Richterbuches, in ihre vier Quellen zerlegt und in deutscher Übersetzung dargeboten, samt einer in Einleitung und Anmerkungen gegebenen Begründung." Die Weiterführung der bisherigen Quellenscheidung besteht darin, daß für J1, die eine der beiden Unterquellen von J, die namentlich Budde und Smend herausgearbeitet hatten, die Abkürzung L (d. i. Laienschrift oder Laienkodex im Gegensatz zum Priesterkodex P) eingeführt wird. Damit soll deutlich gemacht werden, daß J1 und J2 einst zwei selbständig existierende in sich geschlossene Schriften waren. Sodann wird in vier auf jeder Seite nebeneinanderstehenden, mit Einem Blick zu übersehenden Kolumnen L, J, E, P der Inhalt dieser vier Schriften wiedergegeben und zwar zuerst in einer synoptischen Übersicht (S. 89—108), die nur die Überschriften der (228) einzelnen Stücke abgibt, sodann S. 1* — 253* in der eigentlichen Synopse, die den Text der Erzählungen und zwar aus dem Pentateuch für die ersten vier Bücher übersetzt, so daß man nunmehr, Wenn. man W*H> jede der vier Schriften für sich herunterlesen und an den weißen Stellen in den Kolumnen daneben sehen kann, wie die Redaktion ihre Quellen ineinandergeschoben hat. So hatte sich übrigens (was «ätte erwähnt werden dürfen) bereits Astruc den Pentateuch schon von Mose niedergeschrieben gedacht. Erst die faulen, be- *) XV 108 und 285 S. J. C. Hinrichssche Buchhandl. Leipzig 1922. Preis M. 5>5<>, £eb. M. 8,— Grundzahl. schränkten und umunterrichteten Abschreiber hätten die Kolumnen dieser mosaischen Tetrapia , durcheinandergebracht. Eißfeldts Synopse ist also eine Art umgekehrten Diatessarons, indem nicht wie aus den vier Evangelien, die es wirklich gibt, eine harmonisierte Einheit sondern aus der einheitlich vorliegenden Thorah eine übersichtlich gevierteilte Disharmonie geschaffen ist. Oder sollen wir uns damit trösten, daß, wenn man das Deuteronomium hinzunimmt, wir auch wieder einen Pentateuch haben, der sich von dem alten nur durch eine andere Anordnung unterscheidet? Den Synopsen geht eine vorzüglich orientierende Einleitung: „Die Aufgabe" und eine Rechtfertigung der Vierteilung voraus, und zum Schlüsse folgen , Anmerkungen. Von dreien der Argumente, die bisher die Quellenscheidung zu begründen hatten, gibt der Verf. zu, daß sie nicht viel taugen: dem Wechsel der Gottesnamen, dem verschiedenen Sprachgebrauch und dem verschiedenen Ideengehalt. Es bleiben also nur noch die ^Wiederholungen. Eißfeldt glaubt hinreichend oft vierfach vorkommende Erzählungen, Erzählungsmotive und Notizen und ihre Verknüpfung zu vier Erzählungs-, fäden (S. 7—84) aufdecken zu können, um darauf seine Synopse aufzubauen. Aber auch dieses Argument taugt nicht. Wenn sich Ereignisse wiederholt haben (und daß dies möglich ist, wird man doch wohl nicht bestreiten) so muß sich auch die Erzählung davon, selbst aus der Feder desselben Erzählers, wiederholen. Auch Varianten in derselben Sache beweisen noch nicht verschiedene Schriftsteller. Derselbe Autor kann, wie sich in einigen Fällen mit Sicherheit nachweisen läßt, mehrere Traditionen,, die über dieselbe Sache umliefen,, wiedergeben. Die Hauptquelle unzähliger, falscher Quellenscheidungen aber ist eine verkehrte Exegese, die, durch die Sache erforderte, Zwiefältigkeiten und stilistische Variationen für Anzeichen verschiedener Quellenschriften nimmt, was man bereits an dem Ausgangspunkt der Scheidung von J1 und J2 (L, J) Gen. 2. 3, wo man zwei Paradies- und Sündenfallsgeschichten entdeckt haben will, studieren mag. Und da hier eines das andere stützt, so gerät das ganze Gebäude ins Wanken, wenn man Einen Stein herausnimmt. Daß der Pentateuch, «Jessen Geschichtserzählung sich über Jahrhunderte erstreckt, Quellen benutzt hat, ist selbstverständlich, und zum Überfluß bezeugt er es