Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Aktenstücke und Aufforderung
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 484 (sequence 7)
- Language
- German
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4«4 Umschau: Geschichte Ich habe nun meine Pflicht erfüllt und bitte Sie nun recht sehr, die Ihrige zu tun und verharre mit vollkommener Hochachtung Ihr ergebenster Diener. Issachar ben Jizchok, genannt Bernh. Behrend sen. Geschrieben am „Vorabend des Wochenfestes, dem Tage der Offenbarung unserer Thorah 5605" VI. An meine Glaubensbrüder in der Nähe und Ferne! Aus den vorstehend vorgelegten Unterhandlungen ersehet Ihr mein Vorhaben. Eine Reihe von Jahren ist verflossen, seitdem ich täglich die Bitte zum Himmel richtete: „Sende doch den, den Du senden willst*'2), indem ich glaube, wenn ein solches Unternehmen von einem Koryphäen unserer Glaubensbrüder, welcher berühmt, entweder durch Intelligenz oder Reichtum, vorgeschlagen werden möchte, solches besseren Fortgang haben würde. Da nun weder durch meine Anregung, noch auf sonstige Weise mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, so entschließe ich mich in Gottes Namen zur ersten Leitung dieses Unternehmens. Ich fordere nun alle meine Glaubensbrüder zur Theilnahme auf. — In Bezug auf den vorläufigen Vorschlag in den vorstehenden Briefen, ersuche ich jeden, welcher sich hierbei beteiligen will, mir in portofreien Briefen zu melden, wie viel Aktien er zeichne. Es sind zur Ausführung viele Geldmittel nötig, deshalb mögen die Reichen, sogleich die höchstmöglichste Summe hierzu bestimmen. Damit aber auch ein Jeder nicht sehr bemittelte an diesem göttlichen Unternehmen Theil nehmen könne, so wird gewiß die Bestimmung Anerkennung finden, daß auch vier Personen zu einer Aktie zeichnen können. Ich ersuche daher diejenigen, welche sich auf diese Weise beteiligen wollen, in der Zusicherung hierüber je vier sich zu unterzeichnen, und dabei diejenigen der Teilnehmer zu bezeichnen, welchen demnächst die Aktien- Urkunde einzuhändigen sei. In derjenigen Gegend, wo die größte Anzahl Aktien- Zeichner sich befinden wird, werde ich alsdann einen Zusammenkunftsort vorschlagen, um die Statuten der Gesellschaft zu errichten. — Freie Ausübung unserer Religion und x) Im Original hebräisch (1845). 2) Im Original hebräisch 2. B. M. 4,13. freie bürgerliche Rechte ist das Ziel unseres Strebens, und diese Freiheit sei zum Wohl eines jeden denkenden Menschen erforderlich; deshalb schlage ich zur Bezeichnung unserer zu errichtenden Gesellschaft den aller Welt verständlichen Namen, die Gesellschaft Ora et labora, vor, welches dem hebräischen „Gut ist Thorahstudium vereint mit bürgerlichem Fleiße"1) entspricht. Da ich durchaus nicht daran zweifle, daß meine Aufforderung Anklang finden und guten Fortgang haben wird, so fordere ich Alle, welche zur Übersiedlung zuerst bereit sein möchten, auf, sich darauf vorzubereiten, um das beste Gelingen der Kolonisation zu erzielen. Demnach ist mein Rath, die männliche Jugend möge sich sofort und vorzüglich dem Ackerbau, sodann allen nützlichen Handwerken widmen. Männliche und weibliche Jugend aber mögen wo möglich die englische Sprache lernen, welches die dortige Staatssprache ist. Hierbei kann ich die Bemerkung nicht unterdrücken, daß Ihr auch unsere Religionssprache, welche die Hebräische ist, nicht unberücksichtigt lassen möget, denn obwohl ich alle Literaten, welche bei der jetzigen lebhaften Diskussion in unsern religiösen Angelegenheiten arbeiten, hiermit bitte, dieselbe für jetzt gänzlich ruhen zu lassen und Ihre Feder zur Beförderung meines Vorschlags benutzen zu wollen, so soll dort die Diskussion mit der göttlichen Hilfe demnächst mit demselben Eifer wieder aufgenommen und fortgesetzt werden, dazu ist aber Kenntnis der hebräischen Sprache nothwendig. Ich schließe mit demPsalmisten: „Warum beugst Du Dich, meine Seele, und warum zitterst Du in mir? Vertraue auf Gott, denn noch werde ich ihm danken, seines Antlitzes Heil. Mein Gött!" 2) den 30. November 1845. B. Behrend sen. in Rodenberg. VII. Am 23. November 1845 übersandte ich diese Aufforderung an den Redakteur der Zeitung des Judentums mit folgendem Schreiben: x) Im Original hebräisch. Sprüche der Väter, 2,2. 2) Im Original hebräisch. Ps. 42,6 und das erste Wort des Verses 7. Im Text des „Orient" steht (irrtümlich oder mit Absicht?) „m eines Antlitzes ..