Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Zwischen zwei Sprachen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 441 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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44r Feuerberg, Brenner und Schofmann. Man übersetzte sie ihnen und erzählte davon. Hebräisch zu sprechen aber kam uns nicht in den Sinn. Warum sollten wir denn das Natürliche verlassen und das Künstliche erwählen? Dieser starken Verbundenheit wurden wir untreu, als wir nach Palästina kamen. Denn hier fühlt sich keiner von uns als Sohn dieser Sprache, keiner von uns liebt und bewundert noch ihre Schönheit und ihre Nähe; und wenn wir jiddisch sprechen, und wenn wir mit Freude ihren sicheren Klang vernehmen, dann liegt heute darin etwas von der Freude eines Menschen, der eine fremde Sprache vollendet spricht, dem all ihre Geheimnisse offenbar sind — aber in der sich seine Seele nicht auflöst. Wir beherrschen diese Sprache noch, aber sie beherrscht nicht mehr uns. Zum Abfall vom Jiddischen waren wir gezwungen; aber wir mußten dafür büßen wie für jede Untreue. Nun fühlen wir das Bedürfnis, uns zu rechtfertigen und uns klar zu machen, wie wir so schnell verlassen konnten, was einst zum Inhalt unseres Lebens gehört hatte. Die Tatsache, daß die hebräische Sprache die Sprache der Väter ist, konnte uns nicht veranlassen, der lebendigen Sprache untreu zu werden. Auch dies, daß es Juden gibt, die in ihrem Leben niemals Jiddisch hörten, daß die Sprache immer mehr in Vergessenheit gerät, konnte nicht entscheidend sein. Zu viele gibt es in unserem Volke, die auch Hebräisch nicht können. Jiddisch wird von einem Teil der Juden vergessen, aber von einem anderen Teil wird es erlernt und geliebt. Vor allem aber sind wir Kinder unserer Zeit, für die das Wichtigste das Gefühl der inneren Wahrheit ist. Und wenn wir auch wenige waren (denn in diesem unseren Verhältnis zum Jiddischen waren wir damals eine kleinere Schar, als diejenigen sind, die heute unsere Beziehung zum Hebräischen teilen), wir fürchteten uns nicht davor, denn wir sahen schon, wie Minderheit zur Mehrheit wurde. Auch der Reichtum der hebräischen Sprache erleichterte uns gewiß nicht unseren Abfall vom Jiddischen, denn dem Armen ziemt seine Armut. Und was ist denn im Lande aus dem Reichtum der hebräischen Sprache geworden? Bedienen wir uns nicht für die geringste Kompliziertheit unseres Sprechens fremder Ausdrücke, in denen nichthebräischer Geist seine Weisheit zusammenfaßte? Stellen wir uns denn nicht zu schönem hebräischen Sprechen wie zum Anblick eines Wunders? Gewiß, das Land ist auch heute, nach pausenden von Jahren, voll vom Widerhall des Hebräischen, und die Bibel erlebt eine Auferstehung, wenn man sie hier liest, aber weit ist die Entfernung zwischen unserem geistigen Leben und dem Geistesleben, das im Hebräischen seinen Ausdruck fand. Und trotzdem ist hier im wesentlichen jene Harmonie, die zwischen uns und dem Jiddischen fehlte. Diesen Mangel verstanden wir schon, bevor wir ins Land kamen; wir wunderten uns darüber, aber es war unmöglich, ihn zu übersehen. c„rfiruP Denn die Hauptsache war, daß, obwohl das Jiddische die lebendige Spracfte ist, doch -das Hebräische die Sprache des Volkes und der Demokratl?^^ und der Gedankenstrom, der für uns der revolutionäre war, seinen Ausdru« im Hebräischen fand, während in der jiddischen Literatur (und anscheinend