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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 427

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Die jüdische Gefahr
Date
1923-01-01
Page
427 (sequence 12)
Language
German
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Die jüdische Gefahr 427 genie ersetzen oder entbehren zu können glauben, ihnen die Wahlurne der wundertätige Arzneitopf alles Heils scheint, versinkt der Staat in Korruption und leere Geschäftigkeit und das Netz der bureaukratischen Unfähigkeit verhindert oder erschwert das Heraufkommen der Erscheinung, die der Willen des Volkes gestalten und in bleibender Tat verwirklichen könnte. Wenn die Demokratie aber Selbstlosigkeit erzieht, Humanität, Freude an der Arbeit, Liebe zur Allgemeinheit von religiöser Intensität, und an die Spitze jeder Organisation von unten herauf den Würdigsten treibt, dann schafft sie die Möglichkeit, den Typus des Führerhelden ohne Eruption, als organisch gewachsene Blüte hervorwachsen zu lassen. Dieser ideale Fall ist freilich ebenso unwirklich und phantastisch wie eine gesicherte Erbfolge von Führerhelden eines Geschlechts von Gottes Gnaden. Die Antipathie Blühers gegen soziale Tugenden geht weit. Für sein aristokratisches Gefühl ist ein Staat, der auf die Sorge um das allgemeine Wohl gebaut ist, ein jüdisches Gebilde, aber kein Reich, kein Staat. Seine Meinung über den Zusammenhang von Volk und Reich ist überhaupt eigenartig. „Nur Reiche, d. h. Staaten sind geschichtsfähig, und nur sie sind Gegenstand der Politik. Daher geht es immer um das Deutsche Reich und nicht um das deutsche Volk. Das Reich hat das Primat vor dem Volk." Konsequent zu Ende gedacht bedeutet das den Gegensatz zu jeder nationalen Politik. Es ist, nicht in der Gesinnung, aber im Wortsinn ganz die Spitzfindigkeit der jesuitisch-österreichischen Geschichtsfärberei; es führt zur Sanktion des Partikularismus, denn, wenn der Staat nicht die Gesamtheit seiner Bewohner ist, wird es fast'gleichgültig, welcher Nation die Bewohner des eigenen Staates oder anderer Staaten angehören. Durch diese, offenbar auch gegen das Judentum gemünzte Konstruktion läßt er den vielgeschmähten Materialismus zu einer anderen Tür in die Geschichtsauffassung wieder ein: dies ist die sonderbare Mißgeburt einer materialistischen Romantik. Das Reich ist die Verstofflichung einer Volksidee, die von den äußeren Reibungen erzwungene Form, ein Niederschlag, eine Schale. Die Völker haben einen lebendigen, entwicklungsfähigen Sinn, die Reiche nicht! Ein Reich kann nur fressen, größer werden. Dieser Materialismus ist die gefährlichste Verkleidung einer Ideologie habsüchtiger Eitelkeit. Hier fällt wieder eine charakteristische Inkonsequenz des sonst so strengen Logikers als lehrreiches Symptom auf. Derjenige der jüdischen Gedankengänge, den er als einzigen dem deutschen Wesen verschwistert erklärt, das Christentum, hat im höchsten Grade, mehr als alle anderen, eben jene Merkmale, die er als Kennzeichen der Korruptivität brandmarkt. Man konnte bemerken, daß zunächst nur Juden darauf reagieren usw. Und es hat auch wirklich das römische Reich korrumpiert, es ist „tief m die histonscn empfindliche Schicht" des römischen Volkes eingedrungen. Seme Autgaoe war es: „Das Reich zu verhindern.- Ja, das war es! De™. Sendung ist es, gegen die Körperanbetung, gegen den Götzendienst zu

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