Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die jüdische Gefahr
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 428 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Oskar Baum: Die jüdische Gefahr streiten! Die Juden unterwühlten und stürzten diese grauenhafteste Riesenfolterkammer der Weltgeschichte durch die Sorge um das allgemeine Wohl und durch das Mitleid. Die Ehre des militaristischen Ideals, von dem dort auch genug vorrätig war, geben wir für die Menschenliebe. Diese Schande nehmen wir auf uns. Der Kampf zwischen Körper und Seele, so wenig er im einzelnen Wesen enden kann, kann auch in den Völkern, in der Menschheit nie enden. Dünkel und Arroganz hilft der eitelsten Körpervergötterung nur über einen Augenblick der Verlegenheit hinweg. Ewig ist das Volk, dem es als selbstverständlich im Blute liegt, seinem Unvergänglichen, der Seele, das Primat zu geben. Die ihrer vergänglichen Form, dem Reich, das Primat geben, müssen eben mit ihrem Körper vergehen. Das ist das Geheimnis des ewigen Juden und der um ihn her vergehenden Reiche. Das Reich ist der natürliche Lebensrahmen des Volkes und nicht mehr! Krieg ist die natürliche Wollust oder Notwehr eines Volkes und nicht mehr! Die verhaltene Gier oder Angst als den unabänderlichen natürlichen Zustand der menschlichen Gemeinschaften anzusehen, das wollen wir nicht für die deutsche Gesinnung gelten lassen, auch nicht, wenn es ein Deutscher versichert. Wir kennen und lieben den Deutschen anders, den, der das Büchlein vom ewigen Frieden schrieb, den, der die Brücke der gegenseitigen Vervollkommnung und nicht das Schwert zwischen den Völkern als die göttliche Absicht sieht. Daß unsere Milde nicht Schwäche, unsere Verachtung der Weltmacht nicht die Gleichgültigkeit des Besitzlosen, der Neid des Heimatlosen ist, wird die Zukunft erweisen. Die kommenden Generationen werden dem Geist des Judentums und der Idee Jehuda ihren eigenen natürlichen Lebensrahmen schaffen, aber ohne Krieg und —weils ohne Kränkung anderer nicht geht — auch ohne Reich. In dem notvollen Augenblick von heute ähnelt das Schicksal des deutschen Volkes wieder in einigem dem des jüdischen. Es wird von den meisten Völkern als Inbegriff des Unwerten und Wertfeindlichen gehaßt und verachtet und je nach Bedarf des Hasses und der Verachtung über- oder unterschätzt. Thomas Mann nennt das: Die Einsamkeit des Wertvollen. Wir sind nicht weniger unbescheiden, wenn es uns scheint: dies sei die natürliche Stellung dessen, dem die Treue gegen sich selbst über alle Güter der Welt geht. ■