Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die jüdische Gefahr
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 418 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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4i8 Oskar Baum: Jedes Volk ist ein Mischvolk, und es ist nicht richtig, daß dies nur auf ein frühes Entwicklungsstadium der nationalen Eigenart zutreffe und daß, von einem bestimmten Augenblick an, die absolute Reinheit der entstandenen Mischung die oberste Voraussetzung gesunden nationalen Fortbestandes und Wachstums sei. Nie hört der Zustrom auf! Welche Anregungen und neue Kräfte brachten Deutschland die französischen Emigranten nach der großen Revolution, die Polen aus den annektierten Provinzen, bringen heute die russischen Emigranten, alle durchwegs hochkultivierte und intellektualisierte, also keineswegs nur unbewußte Träger des fremdvölkischen Wesens. Ein sachkundiger Literarhistoriker, Nadler, weist nach, daß die Neugermanen mit ihrem slawischen Einschlag am stärksten, leidenschaftlichsten und mit glücklichster Fruchtbarkeit zum alten deutschen Wesen tendieren, glücklicher als die blutreinen Nachfahren. War nicht der märkischste Epiker, Fontane, gallischer Abstammung? Und ist der keltische Einfluß Shaws dem englischen Geist oder Wesen abträglich? Selbstverständlich müssen die Anregungen des Bluts wie des Geistes, die übernommenen Wesenszüge und Ideen nach dem Rhythmus und der Farbe der eigenen Volksindividualität aufgenommen und organisch verarbeitet werden: sonst gäbe es ja keine verschiedenen nationalen Kulturen. Blüher drückt das selbst, nur in fast kindlich übertriebener, schauvinistischer Anmaßung, aus, wenn er sagt: „Diese jüdischen Gedankengänge werden erst fruchtbar, wenn sie durch ein deutsches Hirn gehen, das imstande ist, ihrem tückischen Urgründe Widerstand zu leisten/' So bleibt nur die Möglichkeit offen, daß die fluktuierende Wechselbefruchtung aller anderen Völker untereinander nicht, sondern eben nur die Beeinflußung durch jüdische Art korrumpierend und destruktiv wirkt. In dieser Frage ist ein Jude wie ein Deutscher zu sehr Partei, um sich als objektive Autorität im Urteil aufzuspielen. Immerhin darf wohl die Verteidigung Tatsachen, die der Angreifer in Form von Vorwürfen überzeugend beweist, auch für sich zur Geltung bringen. Blüher schreibt: „Luther hat, als er in Worms auf dem Reichstag die Bibel hochhob, den ersten Grundstein zum modernen deutschen Reich gelegt. — Als er die Bibel übersetzte, geschah das Wunder der deutschen Sprachschöpfung. — Der Sinn des Evangeliums gehört zur deutschen Sprache. Durch diese Entdeckung entdeckte Luther das deutsche Reich, ohne es zu wollen.*i Wenngleich Blüher die Rettung der Heiligen Schrift aus dem hebräischen Mutterleibe für die große erlösende Tat hält, dürfte er doch wohl zugeben, daß das Schaffen des Originals eine gewisse Voraussetzung für das Heroenwerk der Übersetzung bot. „Genau so", schreibt Blüher, „steht es mit der Übersetzung der sozialen Frage aus der jüdischen Denkverstrickung ins Deutsche". Er gibt zu, daß, wie die Bibel, auch der Sozialismus eine jüdische Schöpfung ist, und er mißt dem Sozialismus in den Fragen, die ihm als die höchsten Schicksalaufgaben und sittlichsten Ziele der Völker erscheinen, in den militärischen Aufgaben und Zielen, die größte Bedeutung bei. Wer den besten Arbeiter-