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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 417

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Die jüdische Gefahr
Date
1923-01-01
Page
417 (sequence 2)
Language
German
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Die jüdische Gefahr 417 daß sie unheilbar erkrankte.....Und dort, wo der Jude in die Geschichte anderer Völker eingreift, wirkt er immer rein destruktiv . . . Jedes Volk, das der Stimme der Juden Gehör leiht, ist verloren. Was zu anderen Zeiten Zauberworte vermochten, *das vermögen heute jene typisch jüdischen Gedankengänge, die, dem Volk eingehämmert, es in seinem geschichtlichen Grundinstinkte irremachen, so daß es fällt." Der korruptive Grundcharakter dieser Gedankengänge ist „der reine Materialismus". Voran der Internationalismus, der das nationale Primat verletzt „als echtes Denkprodukt einer Rasse, die keine Nation ist". Und der Sozialismus, „der alle Grundbegriffe der Geschichte und damit der Staatskunst fälscht und dessen Politik ohne Ehre ist". Zugleich aber auch der Kapitalismus: „Die Wirtschaft haben sie damit verdorben, daß sie den Zins erfunden haben. Sie sind stets Aussauger und verdienen sich mit dieser Produktion, was sie durch wirkliche Leistung nicht vermögen. Der Weltpogrom kommt zweifellos." Nur als Randbemerkung sei zunächst eingeworfen: ob Blüher, ein Historiker von so gründlicher Belesenheit, der nicht müde wird, seine Distanz zu betonen, nicht merkt, daß immer nur nach Niederlagen (und nicht in Deutschland allein) das „reine geschichtliche Ereignis" eintritt, daß man den Juden übergroßen Einfluß auf den Geist und die Schlagkraft des Volkes vorwirft. Nach einem Siege (etwa anno 70) fiel das auch den unbestechlichsten deutschen Rassereinigern nicht ein. Damit will ich nicht sagen, daß nach einem Sieg der Judenhaß etwa nicht bestanden habe, sondern nur, daß es auch dem zartesten Rassegewissen nicht beikam, dem übergroßen jüdischen Einfluß logischerweise auch den Sieg damals zuzuschreiben. Oder wollte jemand vielleicht den Nachweis zu erbringen versuchen, daß damals, zur Zeit der Wagnergarde, Lassalles, der blühenden Häuser Rothschild, Mendelssohn, Bleichröder der Einfluß der jüdischen Geistigkeit geringer war als heute? Es ist unmöglich, alle in die Augen springenden Widersprüche, allen aufgewärmten ältesten Inquisitionstratsch, alle willkürlichen Fehlkonstruktionen bloßzulegen, die in dem vom, zwar nachdrücklich geleugneten, Affekt nur allzu verwirrten Buch einander überbieten. Wenn man den Ideengehalt der Schrift alles verdächtigen demagogischen Pathos entkleidet, bleibt als nüchterner Kern von ernster Sachlichkeit nur eine Frage, die sich freilich für den gewissenhaften Betrachter in zwei spaltet: 1. Haben die Juden einen übermäßigen Einfluß auf die Gastvölker, zumal auf die deutschen? 2. Ist dieser Einfluß nur schädlich? Es geht nicht an, sich die Denunziation der jüdischen Geistigkeit so leicht zu machen, daß man die beiden Fragen, ob nun absichtsvoll oder unbewußt, verwirrt, indem man das eine Mal einen nachgewiesenen Einfluß als Beweis der Schädlichkeit, das andere Mal irgendeinen auf fallenden Schaden nach flüchtigen Gefühlsindizien als Beweis jüdischen Einflusses hinstellt. Wenn man die ganze Fragestellung aus der trockenen Luft der Abstraktionen in die lebendigen Tatsachen rettet, merkt man erst ihren verunstalteten Wirklichkeitsgehalt und ihre geschminkten Entstehungsgrunde. Heft 7/8. 27

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