Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die jüdische Gefahr
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 416 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4i6 Oskar Baum: OSKAR BAUM / DIE JÜDISCHE GEFAHR Als die Erscheinung Hans Blühers im deutschen Schrifttum aufblitzte, dieses romantische Schwärmen in sachlich gezügelter Sprache, diese revolutionäre Vermännlichung des erotischen und sozialen Problems, waren es vor allem Juden, seine Bedeutung erfaßten und auf seine Ideen reagierten. Besonders die Erlösung der Freudschen Psychoanalyse von ihrer materialistischen Grundlage und die leidenschaftliche Vergeistigung der Jugendbewegung, jenes hoffnungsvollsten, eigenartigsten Phänomens unserer Tage, brachte ihm die begeisterte Gefolgschaft vieler aus unseren geistig strebenden Kreisen, vom überzeugten Liberalen bis zum Blauweiß-Führer, vom streitbaren Pazifisten bis zum indifferenten Ästheten. Es geschah genau das, was Blühet heute als verräterisches Merkmal der „korruptiven Gedankengänge" des Judentums bezeichnet: daß zunächst Juden darauf reagierten. Durch seinen Furor eines verjüngten Nationalismus entwickelte er sich in seinen letzten Büchern immer mehr zum Metaphysiker der monarchistisch - antidemokratischen Politik. Wer aber gedacht hatte, daß dies, von Tagesströmungen und -vorteilen unabhängig, aus mystisch-romantischer Gedanklichkeit ströme, wird nun gründlich aufgeklärt. Seine neueste Veröffentlichung, die Broschüre ,,Secessio judaica", enthält nichts anderes als das ins Seelische transponierte Blutmärchen vom jüdischen Ritualmord, diesmal nicht konfessionell, sondern rassenmäßig bedingt und — ersonnen, um den Tobsuchtsanfall der deutschen Massen beim Erwachen aus dem Weltherrschaftstraum nicht gegen ihre Hypnotiseure oder gegen sich selbst sich entladen zu lassen, sondern ihn gegen einen kleinen, leicht kenntlichen, immer schon gehaßten Teil der Mitträumer zu richten. Das Volk soll mit der Versicherung wieder eingelullt werden, daß es diese Andersgearteten nur abzuschütteln brauche, diese gegen die Hypnose weniger Empfänglichen, die dürch ihr vorlautes Geschrei die alleinige Schuld an der unliebsamen Unterbrechung tragen, nur fortjagen müsse, damit der gottgewollte Siegeslauf seinen ungestörten Fortgang nehme. Man kann, scheints, den Gebildeten doch nicht mehr glaubhaft machen, daß Christenblut in den Rezepten unserer Festbrote eine Rolle spiele; so sind es die korruptiven Gedankengänge, durch die uns die Vergiftung der Seelensubstanz unserer Gastvölker gelingt. Wer mir nicht glaubt, für den zitiere ich wörtlich: „Die politische Macht des Judentums und der römischen Kirche ist darauf begründet, daß ihnen heimliche Mittel zur Verfügung stehen, die den Menschen vom Unter gründe her zu treffen vermögen und nach Art eines Bannes unfähig zum Widerstand machen. . . . Auserwählt wohl, aber nur für die Geburt Christi, der ein rassenreiner Jude war . . . Diese Geburt hat die Substanz des Volkes so erschüttert,