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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 412

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Der größere Zionismus
Date
1923-01-01
Page
412 (sequence 8)
Language
German
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4I2 Oskar Karbach: dischen Elementes aus seiner übermäßigen Verstricktheit in die Wirren seiner Umwelt, die wir als Erbe der Assimilationszeit übernommen haben, durch einen Prozeß also, der organisch mit der fortschreitenden Renaissance verknüpft ist, ja der sich schon heute wesentlich geltend macht, ist der jüdische Nationalismus einer der bedeutendsten Faktoren für die Wiederherstellung der Ruhe der Welt. Auch dem verbissensten Antisemitismus, der für alle einen Zustand dauernder Unruhe und Unfreiheit herbeiführen will, wird es nicht gelingen, die Judenfrage zu beenden; hauptsächlich aus dem Grunde nicht, weil er selbst nicht ernstlich eine Lösung beabsichtigt, sondern ein Interesse daran hat, die Wirren des jüdischen Problems endlos zu mehren und im Trüben zu fischen. Auch sind die im Judentum konzentrierten Möglichkeiten des Widerstandes, zu denen auch alle Spielarten der verschleierten Assimilation (Taufe, Scheingeschäfte auf dem Gebiete des Familienrechtes usw.) gehören, zu vielseitig, um eine einseitige Beendigung durchführbar erscheinen zu lassen. Nur die spontane beiderseitige Einigung auf einen Ausweg kann die Welt, deren ohnehin gehäuftes Leidensmaß durch den ganzen Komplex jener mit der Existenz der jüdischen Gruppe zusammenhängenden unerfreulichen Erscheinungen des öffentlichen Lebens unerträglich vergrößert wird, von diesen Qualen erlösen. Nur der jüdische Nationalismus besitzt den Schlüssel zur Lage, nur er kann hier initiativ vorgehen, nicht durch hinkende Kompromisse, die von der geschichtlichen Entwicklung in wenigen Jahren davongefegt werden würden, sondern durch das von innen heraus erfolgende, organische Auswirken der nationalen Renaissance in die Umwelt hinein. Hier liegt seine Unwiderstehlichkeit, dadurch ist er prädestiniert, die beängstigende Isolierung des Judentums zu sprengen und, allein durch seine freie und natürliche Entwicklung, die durch die Assimilationsideen in so unheilvoller Weise verschlimmerte Situation zu klären. Die Assimilation ist, sich selbst überlassen, ein Element der Unruhe im heutigen Europa; der Nationalismus der Juden, entschieden und vollständig belebt, die wichtigste Sicherung. Daß die öffentliche Meinung allein imstande ist, der Anschlußbewegung an den Nationalismus die entscheidende Wendung zu geben, sei nebenbei bemerkt: denn der Jude gravitiert nach dem Urteil der Umwelt"1)- Niemals kann es gelingen, die jüdischen Massen, für die zionistische Bewegung, wenn nicht der maßgebende Teil unserer Umgebung dem Nationaljudentum ein günstigeres Urteil entgegenbringt als der Assimilation — es braucht beileibe kein absolut freundliches Urteil zu sein. ■ Unsere Politik gehe dahin, die national-jüdische Bewegung als solche zum Gemeingut möglichst breiter Schichten der Nichtjuden zu machen, die in ihrem Erfolg die beste Lösung der Judenfrage erblicken sollen — ein Vorhaben, dem kein unüberwindliches Hindernis entgegensteht: preisen wir x) *Vgl. meinen Artikel „Werbungsprobleme" in Nr. 1320 der W. Morgenzeitung vom 14. Oktober 1922,

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