Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Der Zionismus und die Erziehungsarbeit
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 402 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Josef Lurje: Kinder Tagelöhner und Diener, insgesamt also 41,08%, deren Eltern nichts zahlen können. Aber auch unter den Eltern der übrigen Kinder gibt es viele, denen ihr Beruf und Erwerb nur ganz unbedeutende Schulbeiträge gestattet, wie Kleinkrämer, M'lamdim, Handwerksgehilfen usw. Bei dieser ökonomischen Lage ist die aus Schulgeldern aufgebrachte Summe von £ 23 400 sehr erheblich. Die Juden zahlen doch außerdem noch Landessteuern, Stadtabgaben und freiwillige Gemeindebeiträge, die ihnen in einem anderen Lande den Elementarunterricht kostenlos gewähren. Unsere Schul Verwaltung und die Schulleiter widmen der Eintreibung der Schulgelder einen großen Teil ihrer eigentlich für die innere Schularbeit nötigen Zeit. Wir schließen die Kinder, deren Eltern das ihnen auferlegte Schulgeld nicht entrichten, von der Schule aus. Wir schrecken auch vor der Gefahr nicht zurück, daß unsere Kinder dann in Missionsschulen eintreten, die ihre Zöglinge zum Übertritt zum Christentum verlocken. Durch unser hartes Vorgehen in bezug auf Schulgelder zwingen wir zahlreiche Kinder zum Eintritt in die Schulen derjenigen Organisationen, die einen Wirrwarr von Sprachen in unser Leben einführen, die Hebraisierung der Bevölkerung untergraben und der Nationalisierung der Judenheit schaden. Wir tun es zum Schaden der hebräischen Erziehung und des inneren Schulbetriebes, um die Existenz der Schulen vor dem Untergang zu retten. Wir tun es, weil die Zionistische Organisation uns mit den notwendigen Mitteln nicht versorgen kann und weil keine anderen Gelder zu unserer Verfügung stehen. Es gibt Kreise, in denen man jetzt Hoffnungen auf das Besteuerungsrecht des Nationalrates setzt. Aber auch das ist nur eine Illusion. Die wirtschaftliche Kraft der Bevölkerung ist gering, und die Steuereinkünfte können daher nur gering sein. Außerdem würde der Nationalrat gezwungen sein, seine Einkünfte allen seinen verschiedenen. Bedürfnissen zuzuwenden, und das Schulbudget wird folglich nur wenig davon bekommen können. Und nun kommen wir zu einem traurigen Kapitel unserer Schulfragen,, zur Beteiligung der Regierung an unserem Schulbudget: Die Regierung erhebt Steuern von den Juden wie von den übrigen Einwohnern, für die andern eröffnet sie Schulen und uns gibt sie nur eine ganz unbedeutende Schulsubvention. Im vorigen Jahre bekamen wir £ 2675, in diesem Jahre Jahre ä 2300. Alle unsere Bemühungen bei der Regierung waren vergeblich. Wir wandten uns an die Regierung in Palästina und an das Colonial Office in London, reichten Gesuche ein, schickten Delegationen, protestierten — alles umsonst. Die Regierung antwortete, daß auch sie keine verfügbaren Mittel besitze. Momentan ist also von daher für unser Schulbudget nichts zu erwarten. Unsere Einkünfte im Lande bleiben also in ihrem beschränkten Umfange ohne größere Erweiterungsmöglichkeiten. Die Existenz unserer Schulen hängt lediglich von der Zionistischen Organisation ab, diese aber reduziert unser Budget von Jahr zu Jahr. Vor zwei Jahren verkleinerte sie es um ca. £ 10 000 und setzte es auf ^100 000 fest. Im vorigen Jahre bewilligte