Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Der Zionismus und die Erziehungsarbeit
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 403 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Zionismus und die Erziehungsarbeit 403 sie uns nur noch ein Budget von ä 70000, was eine plötzliche Reduktion um 30 % bedeutete. Das zwingt uns, unser Schulwerk immer mehr abzubauen, unsere Kulturarbeit immer mehr einzuengen. Wir lassen jetzt einen großen Teil der Immigranten ohne die Möglichkeit, Hebräisch zu lernen, und verstoßen so gegen unsere Pflicht, die verschiedenen Teile der palästinensischen Judenheit durch die Sprache zur Verschmelzung zu bringen, was für ihren nationalen Kampf von so großer Wichtigkeit ist. Wir können auch nicht mehr wie früher mit Stolz behaupten, daß die Tore unserer Schulen allen Kindern offen stehen. Es bleiben jetzt zahlreiche Kinder außerhalb der Schule, da unsere Klassen überfüllt sind und wir keine Möglichkeit haben, neue Lehrer anzustellen und neue Klassen hinzuzufügen. Durch Überfüllung der Klassen haben wir auch die Arbeit der Lehrer sehr erschwert und ihre Erfolge bedeutend herabgesetzt. Zugleich mußten wir einen wichtigen Teil unserer Kulturarbeit aufgeben, die wir in den für uns so wichtigen Punkten Syriens — in Sidon und Damaskus — bisher geleistet haben. Wir lassen die Schulen ohne die nötigen Verbesserungen, wir kümmern uns nicht um die Fortbildung der Lehrer, wir tun nichts für die Erweiterung des Arbeitsprinzips in unseren Schulen. Noch mehr: wir schließen Schulen — und all das gerade jetzt, wo die jüdische Bevölkerung Palästinas im Wachsen begriffen ist, wo jedes Schiff uns neue Immigranten bringt und neue Siedlungen gegründet werden. So steigen wir immer tiefer herab von unserer früheren kulturellen Position und schaden dadurch außerordentlich dem jüdischen Ansehen und unserer politischen Stellung im Lande. Es ist noch kein Jahr um, seitdem man unser Schulbudget um ä 30 000 vermindert hatte, und schon werden erneute Klagen laut über die zu große Schullast, die die Zionistische Organisation zu tragen habe. Wieder ist die Rede von Abbau und von Ersparnissen, wie wenn noch viel für einen Abbau übriggeblieben wäre. Nach der großen Zerstörung, die das Schulwesen im laufenden Jahre erlitten hat, wird es nun der Gefahr neuer Erschütterungen ausgesetzt, die es wohl kaum mehr wird ertragen können: Abbau von Kindergärten, Ausschluß der höheren Schulen aus unserem Budget und Reduktion der Lehrergehälter. Bei der Durchführung der großen Ersparnisse in diesem Jahre bemühten wir uns, soweit es ging, die Volksschule nicht anzutasten — so weit es ging, denn ganz konnte auch sie nicht unberührt bleiben. Wenn jedem Lehrer eine zu große Zahl von Schülern zugewiesen wurde und die Klassen zu dicht besetzt waren, war zwar die Leistungsfähigkeit der Schule ziemlich herabgesetzt, aber ihre Existenz immerhin gerettet. Die Ersparnisse trafen mit ihrer ganzen Schwere die Kindergärten und die höheren Schulen. Das Budget der ersten verminderten wir in diesem Jahre um ä 3400, das der zweitgenannten um £ 3450. Mehrere Kindergärten haben wir geschlossen. Im Jahre 5682 (1921/1922) beschäftigten wir 104 Kindergärtnerinnen, im Jahre 5683 (1922/1923) — 71. Es ist uns unmöglich, diesen Weg weiter fortzusetzen. Wir sind bereits an der äußersten Grenze der Ersparnisse angelangt. Die Kindergärten stehen, nicht leichtsinnigerweise in unserem 26*