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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 7-8 · p. 401

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 7-8
Article
Der Zionismus und die Erziehungsarbeit
Date
1923-01-01
Page
401 (sequence 6)
Language
German
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Der Zionismus und die Erziehungsarbeit 401 der Schule zu entfernen suchen, wird dann dort freien Eingang finden. Die Orthodoxen werden die Sicherheit ihrer Schularbeit und die innere Autonomie, die ihnen garantiert ist, nicht gefährden wollen und werden daher die Obrigkeit des Nationalrates in der Erziehungsverwaltung nicht anerkennen. Es ist daher jedenfalls noch verfrüht, sowohl vom Standpunkte des Budgets als auch aus Verwaltungsrücksichten, die Schulen Palästinas an den Nationalrat zu übergeben. Aber: der Nationalrat als Vertretung des Jischub könnte vielleicht gleichfalls Leute ins Ausland schicken und eine größere Propaganda entfalten? In diesem Falle könnte er sich jedoch ebensowenig wie die zionistische Organisation auf ein einzelnes Gebiet, etwa auf das der Erziehung, beschränken. Sein Agitationsprogramm müßte vielmehr alle Teile seiner Tätigkeit umfassen: Immigration, öffentliche Arbeiten, Rabbinat, Gemeindeangelegenheiten, Hilfe für arme Gemeinden, Wohltätigkeitsanstalten usw. So würde der Nationalrat gezwungen sein, als mit dem Zionismus gewissermaßen konkurrierende Macht aufzutreten, auf diese Weise der Geldaufbringungsaktion der Organisation vielfach zu schaden, ohne doch dabei Großes für sich zu leisten, da er weder deren Einfluß noch deren Arbeitsapparat besitzt. So bleibt also nur die zionistische Organisation, die die Existenz unserer Schulen und deren einheitliche Verwaltung sichern kann. Sie allein kann die Verantwortlichkeit den Schulen gegenüber übernehmen und hat daher kein Recht, sie von sich abzuwälzen. Der Nationalrat soll überhaupt unserer Ansicht nach keine Geldsammlungen im Auslande vornehmen. Er soll die Leitung und Organisierung aller seiner Arbeiten nur innerhalb des Landes ins Auge fassen; das gilt auch für die Erziehungsarbeit. Er beteiligt sich schon jetzt an ihr durch die von ihm in den Waad Hachinuch gewählten Vertreter. Seine Beteiligung an der Schulleitung kann ausgedehnt werden, aber es ist kein Grund zu hoffen, daß dadurch die Einkünfte vergrößert werden könnten. Die Einnahmen aus Schulgeldern haben fast die äußerste Grenze der Möglichkeit erreicht. Es war eine große Anstrengung seitens der Schulverwaltung und der Schulleiter nötig, um die Einwohner an Zahlung der Schulgelder zu gewöhnen, bis schließlich unsere Einkünfte im vorigen Jahre £ 23 400 erreicht haben. Es wird in absehbarer Zukunft kaum noch möglich sein, diese Summe um einen nennenswerten Betrag zu überschreiten. Von den im Lande lebenden 90 000 Juden sind 30 000 erst in den letzten ^rei Jahren eingewandert. 35% aller unserer Schüler in Jaffa und Haifa sind Immigrantenkinder. Die meisten ihrer Eltern sind Tagelöhner und Handwerker, die noch keine regelmäßige Arbeit haben oder*die noch in Immigrantenzelten wohnen. Auch unter den Kindern der früheren Einwohner gibt es zahlreiche Waisen und verlassene Kinder, Opfer des Krieges, ^nd Kinder des jüdischen Proletariats in Jerusalem, Tiberias, Safed und Hebron. Die von uns veranstaltete Statistik zeigt uns folgende Zahlen für unsere Schulen in Jerusalem: unter den 4242 Schulkindern gibt es 2W0 Waisen und verlassene Kinder, 5,58% Kinder Arbeitsloser, 6,7/0 Heft 7/8. 26

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