Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Der Zionismus und die Erziehungsarbeit
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 399 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Zionismus und die Erziehungsarbeit 399stina oder in einem anderen Lande leben. Die Aufgabe der hebräischen Schule ist, dem jüdischen Volke seine nationale Sprache zurückzugeben,, die heranwachsende Generation zum Träger der neuerstehenden Kultur zu erziehen und sie für den Wiederaufbau des Landes fähig zu machen.. Die hebräische Schule muß die Grundlage unserer nationalen Kultur werden,, an der nicht nur die Juden, die gerade jetzt im Lande leben, sondern die gesamte Judenheit der Welt Anteil nehmen. Die Wirklichkeit hat gezeigt, wie groß die Bedeutung der hebräischen Schule ist. Dank ihr wurde Hebräisch zur Mutter- und Umgangssprache für einen großen Teil der jüdischen Bevölkerung Palästinas und jetzt als eine der drei offiziellen Sprachen des Landes anerkannt. Der Erfolg der hebräischen Schulen Palästinas hat auch auf die Diaspora gewirkt; es ist eine Reihe hebräischer Elementar- und höherer Schulen in Litauen, Polen und Rumänien entstanden. Wer ist imstande, die Tragweite dieser Schöpfung; abzuschätzen? Wie wird dadurch die nationale Kraft unseres Volkes gestärkt! Wie groß kann die Wirkung auf die Entwicklung von Literatur,, Wissenschaft und Kunst sein! Warum soll diese Aufgabe, große geistige Werte zu schaffen, nur der jüdischen Bevölkerung Palästinas auferlegt werden? Fürwahr, sie ist stolz auf ihre Schöpfung, die ohne gleichen in der Geschichte dasteht, aber es ist ihr schwer, die große Last allein zu tragen. Der gesamten Judenheit liegt die Ehrenpflicht ob, die Erziehungs¬ und Kulturarbeit, die jetzt in Palästina getan wird, zu unterstützen. Man wird uns wohl zugeben, daß die Kulturarbeit in Palästina viel wichtiger ist, als die in einem anderen Lande, und doch wird noch mancher . fragen, warum sie nicht eigentlich dem Nationalrat übergeben werden solle. Er möge als der Vertreter der palästinensischen Judenheit und als. deren höchste Instanz überhaupt alle inneren Angelegenheiten des Jischuv, also auch das Schulwesen, leiten. Diese Konzeption scheint äußerst verlockend, in Wirklichkeit jedoch entstammt sie Tendenzen, die der Erziehungsarbeit sehr entgegengesetzt sind oder aber völliger Unkenntnis der wirklichen Lage im Lande. Man meint etwa, daß durch die Übernahme der Erziehungsarbeit sich dem Nationalrat ein größeres Arbeitsfeld mit neuen Perspektiven und Mitteln eröffnen werde, und er den so erlangten Einfluß auf anderen. Gebieten des palästinensischen Lebens werde zur Geltung bringen können... Dabei vergißt man aber, daß die Aufgaben des Schulwesens zu wichtig sind, als daß sie als Mittel anderen Zwecken dienstbar gemacht werden könnten. Ein Schulwesen kann mit Erfolg nur von einer als Autorität anerkannten Stelle geleitet werden. Der Nationalrat ist nicht diese Instanz, da er für seine Anerkennung noch viel zu kämpfen hat. Erez-Israel erkennt ihn als seinen Vertreter nur da an, wo er die Interessen oder die Ehre des Landes der Regierung oder fremden Stellen gegenüber zu wahren hat, nicht aber dann, wenn er Ansprüche an den Jischuv stellt und ihm Abgaben auferlegen will. Auch in den Fragen des Wahlrechts und der Gemeinde- und. Kolonieverfassungen ist seine Kompetenz sehr umstritten. Dem Nationalrat wurden die verlangten Rechte von der Regierung noch nicht eingeräumt*.