Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Augustinus, der Bekehrte
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 375 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3101111-3101189-3101196-3108211--6170-3108277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Augustinus der Bekehrte 375 liehe Stätte, um es so in ihrer Weise und „um Jesu willen" zu bewahren und zu erledigen; ihrem Eigenen gewinnen sie eben dadurch die Heiligung der Geschichte und damit hat der Gang der Erlösung aufgehört, ein bloßer Naturprozeß „höherer Ordnung" zu sein. Abermals Jahrhunderte später hat der Pseudodionysius aus griechisch-christlichem Geiste die himmlische und die irdisch-kirchliche Welt hierarchisch geordnet; ihm aber, dem Mystiker, fehlt wieder, was hier errungen ist: der geschichtliche Zug. Mit Adam beginnt, mit dem Sabbath der Sabbathe, dem Endsieg des Gottesstaates und dem Triumph des wiederkehrenden Christus schließt die Reihe der Weltalter: „So ist das erste Weltalter, gleichsam der erste Tag, von Adam bis zur Sintflut, der zweite von da bis Abraham, nicht wegen der Gleichheit der Jahre, sondern der Gleichheit der Zahl der Geschlechter. Denn beide umfassen jeweils deren Zehn. Von da an folgen, wie es im Mathäusevangelium heißt, drei Weltalter bis zur Ankunft Christi, jedesmal in vierzehn Generationen abrollend, von Abraham bis David die eine, die andere bis zur babylonischen Verbannung, die dritte von da bis zur fleischlichen Geburt des Christ. So sind es im Ganzen fünf. Das sechste Weltalter läuft derzeit, darf aber nicht nach irgendeiner Geschlechterzahl bemessen werden wegen des Wortes: Es ist nicht eure Sache, Tag und Stunde zu wissen, die der Vater bestimmt hat in seiner Macht. Nach diesem wird Gott gleich wie am siebenten Tag ruhen, indem er eben diesen siebenten Tag, der wir dann sind, in sich, Gott selber, wird ruhen lassen." Mit wachsender Bewußtseinshelle durchdringt das Licht der christlichen Erlösung diesen Geschichtsaufbau. In der Unbewußtheit des Kindes ist die Urzeit begraben; als Knabe, Jüngling und Mann reckt sich die Menschheit dem Ziele entgegen, an dem der siebente Tag anbricht. Dieser Tag wird die Fülle 'der Heiligen sehen, an ihm wird die vollendete Kirche in sich ruhen, wie Gott selber ruht. Wie in den Schlußworten der Bekenntnisse der Glückstrahl aufleuchtet, der aus dem Herzen des Erhörten bricht, so erglänzen die letzten Worte seines Lebenswerkes in dem Schimmer des christlichen Heiligenscheins, der Augustins Haupt umgibt; was der Sechsundvierzigjährige einst in heißem Ringen erbetet hat, das ist nun zur beseligenden Schau geworden: „Gib uns den Sabbathfrieden, dessen Abend nie dämmert!" Jetzt muß der christliche Heilige mitsamt seiner Welt in die Sichtbarkeit treten; was die Akte der Heiligung mitteilend an ihm vollzogen haben, was die Gnade in seiner Seele geweckt hat, das muß er nun zeigen: sein Weg wiederholt den Weg nach Golgatha, sein Lebensopfer ist Erlösungstat, wie jenes Gottesopfer am Kreuz. Auf Mensch und Welt kommt, vom Himmel auf die Erde steigend, das Mysterium von Sünde und Erlösung herab; es ist Verwandlung in den neuen Menschen, Schöpfung eines „neuen Himmels und einer neuen Erde" — anschauende Gewißheit einem neuen Bunde. Dies kann sich aber nur vollziehen und das zugleich verinnerlichte und veräußerlichte Endzeitbewußtsein der Christenheit kann eine in alle Zukunft erstreckte Wirkung nur erlangen durch ein Zum -Schauspiel-Werden, d. h. durch eine be-