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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 376

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Augustinus, der Bekehrte
Date
1923-01-01
Page
376 (sequence 22)
Language
German
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376 Franz Rosenzweig: sondere weltmenschliche Sichtbarmachung des„ sakramentalen Vorgangs. Der Heilige selber stellt in seiner Person den endgültigen Menschen mit seiner Wende von der Sünde zur Erlösung dar; im Schicksal seiner Seele steht die zwiefache Gnade von empfangenem Sakrament und zuteilgewordenem Erlebnis zur Sphau. Die Welt wird zum Schauspiel ihres Schicksals von Adam bis Christus, sie wird zur dreigeteilten Bühne, auf der der Gang zur Erlösung in Abbild und Vorbild zu sehen ist. Das Sakrament zeigt als sichtbare Form die unsichtbare Gnade, gleichwie alles Opfer in der,sichtbaren Welt der Dinge die Beziehung zu Gott zeigt. Die Darstellung des Mysteriums durch Welt und Mensch ist unwirklich und doch erscheint sie; das ist allezeit das christliche Wunder. Damit jenes Erscheinen des Unwirklichen geschieht, genügt es nicht, daß wie es Augustin getan hat, der Mensch den Gedanken von Sünde und Erlösung hege und seines Gottes Werk noch einmal denke, und es genügt nicht, daß der Erlösung von der Sünde bloß ein Haus begründet sei. Der Gedanke bleibt ein geistiges Nichtsein und das Gebäude der Kirche bleibt leer, wenn dem großen Kirchenvater nicht die großen Söhne 'der Kirche folgen. Durch sie erst kann sich das christliche Wunder ereignen: einmal als ein Menschenleben, wenn dieses ganz und gar zum Ebenbilde des Urhebers und Vollstreckers der christlichen Erlösung wird; der innerkirchliche Heilige stellt sich dar in der Jesus-Nachfolge durch den Heiligen von Assisi, dessen Leben Legende ist. Zum andern wird das Wunder Ereignis als das Bild der Welt, wenn der Gang, der ihre Höhen und Tiefen durchmißt, zum Mysterienweg der Erlösung und die Welt selber zum Gerichtsbau der göttlichen Gnade und Verwerfung wird; das innerkirchliche Weltbild ist gestaltet in dem Werke des weltlichen Florentiners, dessen Dichtung sich zum heiligen Epos auftürmt. Augustinus, der Vater, erschließt dieses Sein der Söhne; aber die Söhne erst vollbringen das Werk des Vaters. *) Sehnsucht: Luzzatto Nr. 39. Harkavy II 88 f. Brody II 296. Brody-Wiener 171.— Der kranke Arzt: Luzzatto Nr. 36. Harkavy II 87 f. Brody II 294. — Der Tag: Luzzatto Nr. 56. Harkavy II 97* HI 118. — Licht: Luzzatto Nr. 34. Harkavy II 87. Brody III 74 f. — Der Jude: Harkavy II 31. Brody II 268. DEUTSCH VON FRANZ ROSENZWEIG Sehnsucht Zu ihm, des wahren Lebens Quell, hintracht* ich. Das Leben drum, das schal und leer, mißachf ich. Schaun meines Königs Antlitz was begehrt' ich noch! Nicht kenne andre Macht und andre Pracht ich.

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