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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Augustinus, der Bekehrte
Date
1923-01-01
Page
374 (sequence 20)
Language
German
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374 Eduard Strauss: Betrachtung der Wahrheit sichtlich erglänzt und der lichtfeindlichen Finsternis, die sich darstellt in der bösen, vom Lichte der Gerechtigkeit abgefallenen Engel schwärzester Gesinnung hat Gott Macht gehabt, zu scheinen — Er, der nicht weniger Macht gehabt hat, außer der Zukunft der Natur auch das Böse des Willens klar und sicher vor sich zu sehen." Gott schuf und schied im Menschen die Anlage zweier Gemeinschaften, deren Eine der Sünde verfallen ist und die Schar der bösen Engel mehrt, während die Andere das Reich der Erlösten umschließen soll, der Gnade teilhaftig ist und zu den lobpreisenden Chören hinzuwächst. „Von beiden Art der Liebe sind Reiche geschaffen worden, das irdische von der Selbstliebe bis zur Gottesleugnung, das himmlische von der Gottesliebe bis zur Selbstverleugnung. Man kann abschließend sagen: Jene rühmt sich ihrer selbst, diese des Herrn . „ . Jene liebt in ihren Machthabern die eigene Stärke. Diese spricht zu Gott: Ich will Dich lieben, Herr, Du meine Stärke!" Der „Staat Gottes" tritt dem „Staate der Welt" in unausgleichbarem Gegensatz gegenüber; beiden Staaten sind seit Kain und Abel die Menschengeschlechter zugeteilt — „deren Eines nach Menschenart, das Andere Gott gemäß lebt; was wir auch mystisch als zwei Reiche bezeichnen, das sind zwei Gemeinschaften der Menschen: eine von ihnen ist bestimmt, in Ewigkeit mit Gott zu herrschen, die zweite mit dem Teufel zu ewiger Pein verdammt zu sein". Von Anbeginn also und solange Menschen leben werden, bestehen beide Reiche: „Diese ganze Zeitlichkeit, in der Geburt und Tod sich unaufhörlich folgen, ist die Entfaltung jener beiden Reiche." Und ihr Schicksal ist in alle Zeiten festgelegt: „Bleiben wird ohne Ende der Tod, wie das ewige Leben in der Gemeinschaft aller Heiligen bleiben wird." Augustin sagt nichts aus über das Rechtsverhältnis zwischen dem weltlichen Staat und der Kirche als dem Bild des heiligen Staates; aber das Wort, daß der Staat der Erwählten mit Gott herrschen solle, läßt keinen Zweifel an dessen Überlegenheit. Um die weltliche Macht der Kirche und ihre Beziehung zu weltlichem Recht kümmert sich der Heilige weiter nicht. Gottes Gnade hat nach genauem Plan den Gang der Weltgeschichte vorbestimmt; in ihr wirken und walten die zwei Reiche bis zur Endzeit und bis zu der Stunde des Heils, da Gnade und Verwerfung nach dem Wort des Richters an den Geschlechtern offenbar werden sollen. Der Ablauf der Weltgeschichte ist genau derselbe, wie der der Schöpfungsgeschichte; den sechs Tagewerken Gottes und dem geheiligten Siebenten entsprechen die Epochen der Menschheitsgeschichte. Bereits Irenaus hat die Weltgeschichte als Spiegelbild der Schöpfungsgeschichte gesehen; Augustin gibt die feineren Linien; beide fügen dem göttlichen Heilsplan die Geschichte des Volkes Israel ein. Was bei Irenäus dem Kampf gegen die Gnostiker entsprang, um gegen das Unklar-Geschichtslose geschichtlich festgestellt zu werden, das erhebt sich bei Augustin aus dem Kampf gegen die idealhelle Geschichtslosigkeit der heidnischen Philosophie. Beide Kirchenväter geben dem ewigen Volk, das in der babylonischen Verwirrung die heilige Sprache gehütet hat, eine christlich-geschicht-

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