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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Augustinus, der Bekehrte
Date
1923-01-01
Page
371 (sequence 17)
Language
German
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Augustinus der Bekehrte 371 Augustin hat seinem Leben den Sinn abgerungen; wie dies gegen Widerstände der Sinne gelang, so brachte er nun gegen den Widerspruch der Menschen seine Lehre zur Geltung. Der Heilige kämpft und siegt: wie über sich selbst, so über seine Gegner. Augustins Gnadenlehre fand ihren Gegenwurf in der Lehre des Pelagius; die Autorität der Kirche mußte gegen die Donatisten geschützt werden. Konnte der erste der beiden Feinde durch Waffen des Geistes allein überwunden werden und genügte da der Spruch der Autorität, um den Sieg zu vollenden, so mußte gegen den anderen bereits weltliche Gewalt in die Schranken treten. Gegen die heidnischen Philosophen und gegen die Manichäer, seine alten Freunde, hat Augustin seine christlichen Angriffe gerichtet. Er hat seine eigene innere Haltung durch diese Auseinandersetzungen ebenso gestärkt, wie in den äußerlich und nach ihren kirchengeschichtlichen Folgen bedeutsameren . Kämpfen gegen die Donatisten und Pelagianer. Seine Kirche und ihre Einheit verteidigt Augustin gegen die Schisrhatiker der afrikanischen Kirche; nicht gegen ihre Ketzerei als Hauptsache, sondern gegen ihr Heraustreten aus der Einheit wendet er sich: gegenüber dieser wesentlichen Bestimmung tritt die sachliche Frage des Donatistenstreits, ob der Kirche die Heiligkeit durch den sittlichen Charakter ihrer Glieder oder durch den Besitz der Gnadenmittel gewährleistet sei, in den Hinter-, grund. Läßt der Heilige hier die ihm selber gewonnene Einheit in ihrer sichtbar-allgemeinen Gestalt als Kirche triumphieren — sie ist und bleibt die Eine und Heilige, weil ihr . der Geist der Liebe innewohnt — so streitet er für die Unbedingtheit der eigenen Beseligung und Erwählung gegen Pelagius. In diesem Kampf geht es für Augustin um das Fühlbar-Letzte, wie dort um das Sichtbar-Höchste. Denn ihm, dem die großen Gedanken aus dem Herzen kommen, tritt in Pelagius und den Seinen der Verstand gegenüber. Mit dem mystischen Erlebnis streitet die intellektuelle Kraft der Stoa; gegen den Heiligen tritt der Gerechte in die Schranken; gegen die durch Christus vermittelte Gnade erhebt sich die Natur mit dem freien Willen, mit der Möglichkeit, die Gnade durch Verdienste zu erwerben und sich zum Guten zu wenden. Den Kampf hat die Autorität der Kirche mit Augustins starkem Geiste entschieden; gerade er gab ihr die Festigkeit zu solcher Entscheidung. Aber keiner der beiden Gegner ist tot; sie kehren im Gang der Geschichte wieder und in Wahrheit kann man sagen, daß alP jenes Denken und Ringen Geister geschaffen hat, die zu ihrer Stunde auf dem Weg des Christentums in neuar Gestalt erscheinen. Und noch ein dritter Gegner kehrt immer wieder oder vielmehr — er bleibt am Leben: der heidnische Mensch. Er bleibt in einer besonderen Weise auch nach der Taufe lebendig. Er wandelt sich zum Christenmenschen, nimmt aber dabei seinen ganzen Besitz in die neue Welt mit hinüber. Indem der „alte Adam" im Erlebnis stirbt, um in Christo wiedergeboren zu Verden, prägt sich seiner vollen Lebendigkeit das Zeichen der Offenbarung auf: er ist aus einem Naturwesen zu dem Geschöpf geworden, das zu seiner 24*

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