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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 369

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Augustinus, der Bekehrte
Date
1923-01-01
Page
369 (sequence 15)
Language
German
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Augustinus der Bekehrte 3Ö9 Messias — wenn Ihr folgt: Euer die Tat, mein die Bereitschaft, Gottes der Befehl, Das ist hier nicht gemeint; das Ans-Ende-Stürmen paulinischer Endzeitpredigt ist solches Entgegenkommen nicht. Gnade ist jetzt naturhaft aus Gott wirkende Gewalt, die sich auf die breite Erde der heidnischen Menschheit ergießt. Aber nicht wahllos: denn sie wählt diesen und nicht jenen, unergründlich und nicht erwirkbar, so wie sie im Erlebnis den Erwählten überfällt. Die Gnade Gottes soll auf eine Menschheit treffen, die durch Adams Fall eine massa perditionis geworden ist. Dieser erste Mensch, der die Fähigkeit besaß, nicht zu sündigen, dessen Wille sogar nach der Seite Gottes frei war, hat gesündigt: eben weil er frei war. Adams ungeheuer große Sünde vererbt sich durch den Leib fortzeugend auf die Geschlechter als tradux peccati und die Sterblichkeit wird zum Zeichen des Sündenfalls. Der Mensch hat noch den freien Willen — „aber was nützt er denen, die unter die Sünde verkauft sind?" So muß es kommen, daß die Menschen nicht anders können, als sündigen — Erlösung wird denen, die auf Grund des vorausbestimmten göttlichen Ratschlusses gerettet werden sollen, durch die Gnade: sie, die Heiligen, der certus numerus electorum, vermögen es, nicht zu sündigen. Die Gnadenwirkung kann aber nur durch einen Rückkauf in Gang kommen: durch die redemptio, die defr himmlische Mensch Christus für den irdischen durch seinen Opfertod vollzogen hat. Das ist nun die Gnade, die „wegen Christus gnadenhaiber geschenkt wird"; ein anderes Mittel gab es nicht, um Gottes Wirken den Menschen und der Welt in ihrer Sündhaftigkeit wieder zuzuführen: das Mittel war notwendig und ist wirksam; mit der Taufe hebt seine Wirksamkeit an. Die christliche Sündhaftigkeit ist eine Natureigenschaft, denn der alte Adam war sündhaft und der Mensch, der ihm entstammt, ist sündhaft seit Anbeginn. Zur Erlösung von der Erbsünde, zur Erlangung des Gnadenstandes anstatt des sündhaften Urstandes wird hier die Verwandlung in einen neuen Menschen gefordert. Anders verhält es sich mit der Sünde, wie sie das ewige Volk kennt. Sünde ist nicht bloßes crimen, d. h. Verbrechen gegen eine menschlich gegebene, staatlich geschützte Rechtssatzung; sie ist aber auch nicht bloß peccatum, d. h. Vergehen gegen das Göttliche. Sondern sie ist immer beides zugleich und deshalb mehr als beides, nämlich Abfall von dem Gesetz, (das Heiligkeit wirkend und Wirklichkeit heiligend das ewige Volk in der Hand Gottes zusammenhält: „wenn Gott ein neues Gebot für Israel gibt, fügt er ihm Heiligkeit hinzu", sagte Rabbi ben Jehuda. So kann von dem Sünder nicht Verwandlung in einen Zustand der Erlöstheit, sondern nur Umkehr lr* die Feste des ewigen Volkes und Heimkehr unter sein Lebensgesetz als Entsühnung gefordert werden. Wie also das Sakrament als „mystisches besetz" im Christentum den Stellenwert unseres Gesetzes angenommen hat> so stehen sich nun Mysterienweg der Wandlung und Lebensgang der Heimkehr gegenüber. Den sündebehafteten Menschen ergreift die christliche Gnade auf dreierlei Art: zunächst muß sie den guten Willen erschaffen, das heißt: den Glauben Heft 6. 24

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