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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 368

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Augustinus, der Bekehrte
Date
1923-01-01
Page
368 (sequence 14)
Language
German
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368 Eduard Strauss: umkleidete Logik Piatons, später die aristotelische Schärfe der Definitionen unter paulinischen Impulsen auswirkt. Wie es eine Seelenkunde gibt, so gibt es jetzt auch eine wissenschaftlich geartete Glaubenslehre, die, ähnlich und doch durch den fordernden und befehlenden Charakter ihres Gegenstandes ausgezeichnet, der Ideengeschichte parallel sich entwickelt. „Heilige Theorie" kann man das nennen, was der christgewordene Philosoph für das christliche Leben geleistet, d. h.: was er aus seinem Christenleben heraus ausgesagt hat. Die Gedankenmasse, die Augustin dem Christentum für alle Zeit übergeben hat, ist gewaltig; sein Werk ist so groß, daß sein Biograph mit? Recht sagen kann: „Alle seine Werke durchzulesen und zu beherrschen erreicht wohl kaum der Gelehrteste." Bücher und sorgfältige Redaktionen der eigenen Schriften bildeten bezeichnenderweise die Hinterlassenschaft des Bischofs von Hippo; Augustins Lehren haben den Einflußraum und die Wirkungsspanne seines Lebens übergriffen: kein Lehrer der Kirche, kein Führer der christlichen Völker hat sie fortan umgehen können. Unumstößliche Gewißheit hat Augustin durch seine Lebenswende gewonnen. Nicht aus dem Zweifel des denkenden, sondern aus der Verzweiflung des sündigen Menschen ist dem Heiligen die Wahrheit geboren worden, die aus Gott, ihrem einzig-einen Urquell stammt und die daher dem Menschen das Heil verbürgt. Sie ist eng mit dem Leben verwirkt und dem höchsten Ziel heiligen Lebens zugewandt, nicht Angelegenheit einer Theorie: keine „Erkenntnistheorie" steht am Anfang der Werke Augustins. Die kleine Schrift „contra Academicos" kann schon deshalb nicht so bezeichnet werden, weil gerade sie die Zielstrebigkeit, den heilbringenden Zweck aller Erkenntnis betont und den Besitz der Wahrheit über das Suchen nach ihr stellt: Wahrheit muß da sein, ehe selbst Wahrscheinlichkeit gedacht werden kann. Hier ist schon die Denkart lebendig, die unter der Offenbarung steht: „in philosophos" haben später auch Alghazali und Jehuda Halevi ihre Worte gerichtet. Gewißheit durch die ihm wie Paulus zuteil gewordene Gnade steht für Augustin am Anfang. Er glaubt, um zu erkennen; Schau der göttlichen Wahrheit leuchtet, ganz vollkommen erst in der Jenseitswelt, am Ende. Der Gedan?:e der Gnade ist der erste Beweger in Augustins Denken: Gottes Wesen, der Mensch und seine Bestimmung, die Welt und ihr Ziel werden von ihm aus deutbar. Was an Einsichten gegeben ist, was aus Gottes Wort aufleuchtet, aus der Seele der Menschen spricht und über der Welt waltet, das muß um des Heiles willen in klarer und einsichtiger Lehre gefaßt und als solche bewahrt werden. Aber es muß eine Gewähr dafür bestehen, daß diese Lehre reine und untrügliche Wahrheit bleibe. Der Gedanke der Autorität als Vertreterin göttlicher Wahrheit ist der zweite Pol, um den Augustins Lebenswerk kreist. Die Gnade, von der hier gesprochen wird, ist nicht die des Chanum werachum, ihr Sinn ist nicht der, daß „Gott dem Menschen, der ihm eine Spanne weit naht, eine Elle weit entgegenkommt". „Heute komme ich" sagt

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