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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 345

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1923-01-01
Page
345 (sequence 11)
Language
German
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 345 Zeiten angehört hat oder bei denen er in die Liste der verstorbenen Mitglieder aufgenommen werden will, was man im Osten ,,sich in die-Chewrah (Verein) einkaufen*1 nennt. Solche Vereine haben oft eigene Betstätten, in denen an jedem Abend oder doch am Sabbath ein bezahlter Maggid den Anwesenden Bibel mit Kommentaren oder Thalmud und Midrasch vorträgt. Manche solcher Vereine ehren, außer dem Andenken ihrer verstorbenen Mitglieder, durch Beleuchtung des Bethauses, Kaddisch sagen und Mischnajothlernen das Gedächtnis der Ortsrabbiner, alljährlich an deren Todestag. Oft werden dort sehr fromme und gelehrte Batlanim1), zeitlebens erhalten, damit sie im Bethause ständig dem Thorahstudium obliegen können. Alle diese Vereine jedoch verbinden mit diesen frommen auch wohltätige und gemeinschaftliche Zwecke, wie z. B. Unterstützung aller Mitglieder sowie auch armer Nichtmitglieder im Krankheitsfalle, Gewährung zinsfreier Darlehena) an bedürftige Mitglieder und Nichtmitglieder, Unterstützung von armen Wöchnerinnen und unentgeltliche Speisung und Bekleidung armer Kinder und sonstiger Mittelloser, wobei sich zumeist Frauen betätigen. 7. Einmalige Spende oder ewige Stiftungen zum Zwecke der Anschaffung biblischer oder thailändischer Werke für das Lehrhaus, in dem der Testator bei Lebzeiten zu beten und zu „lernen" pflegte. Jedes solches Beth ha Midrasch und jede Klaus ist zu allen Tageszeiten geöffnet, so daß jeder, der tagsüber oder sogar in der Nacht lernen will, eine kostenlose beleuchtete und im Winter durchwärmte Stätte sowie Bücher zu seiner freien Verfügung findet8). In manchen Städten gibtes besondere, ,Thikkun s*f orim*'4) - Vereine, die den Zweck haben, die für das Lernen nötigen Bücher anzuschaffen und die beschädigten auszubessern und neu binden zu lassen. 8. Einmalige Spende oder ewige Stiftung an größere gemeinnützige Institutionen,wiez.B.Thalmud-Thorah(Bibel-undniedereThalmudschule), J'schibah (höhere Thalmudschule), Beth S'kenim (Altersversicherungsheim), öffentliche Armenküche usw. Wird eine ewige Stiftung zugunsten eines Spitals errichtet, so geschieht dies oft in der Form einer sogenannten Bettstiftung, die darin besteht, daß ein entsprechender Betrag testiert wird, aus dessen jährlichen Erträgnissen ein Krankenbett im Spital ein volles Jahr erhalten werden kann. Über jedem Bett ist gewöhnlich eine Tafel angebracht, auf der Name und Sterbetag des Spenders verzeichnet sind. 9. Ewige Stiftungen, deren Erträgnisse jährlich am Sterbetage des Testators an die Insassen des Altersversorgungsheimes oder an die im Spital sich befindenden armen Kranken verteilt werden, wobei jedem besonders ein *) Eigentlich „Nichtstuer", d. h. berufslos dem Thalmudstudium ergebene Männer. a) halwajath-chen, leihen aus Liebe. 3) Im Laufe des Krieges sind ungeheure Mengen von Büchern, darunter viele seltene Druckwerke, Unikate, Inkunabeln teils durch Brand und böswillige Vernichtung, teils durch Raub für immer verloren gegangen. Dieser ungeheure, für das Thalmudstudium und die jüdische Wissenschaft unersetzliche Verlust macht sich jetzt im Osten sehr fühlbar, zumal angesichts der gegenwärtigen unerschwinglich hohen Bücherpreise, die Anschaffung der notwendigen Exemplare sehr schwer ist. 4) „Ausbesserung der Bücher".

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